Afternoon w/ Missy Magazine

1.) Vortrag von Sonja Eismann

Niemand wird gecancelt. Cancel Culture und Machstrukturen in der Kulturindustrie

Ein Gespenst geht um: Die Angst vor der Cancel Culture. Immer wieder wird die Sorge geäußert, das Recht auf freie Meinungsäußerung werde durch rigide Moralvorstellungen einer Mob-artig agierenden, linken „Wokeria“ bedroht. Wer sich in den Augen dieser nicht korrekt verhalte, werde durch öffentliche Beschämungen und konzertierte Social-Media-Aktionen nicht nur zum Schweigen, sondern oft auch zusätzlich um Jobs und Ansehen gebracht. Doch wer die Situation genauer betrachtet, wird feststellen, dass derart „gecancelte“ Personen in den meisten Fällen nicht weniger, sondern mehr Aufmerksamkeit erfahren, dass sie mehr Auftritte haben, mehr ihrer Produkte verkaufen. So stiegen beispielsweise die Streams von R. Kelly nach den Vorwürfen sexualisierter Gewalt an, Lisa Eckharts Buch „Omama“ wurde in der Folge ihrer Ausladung vom Hamburger Harbourfront Literaturfestival zum Bestseller, und die Vorwürfe häuslicher Gewalt brachten Johnny Depp rund um den Gerichtsprozess gegen seine Ex-Frau Amber Heard glühende Fanverehrung ein. In diesem Vortrag soll der Frage nachgegangen werden, welche Mechanismen durch „Cancelling“ tatsächlich ausgelöst werden und welche Potentiale für eine „Transformative Justice“ in ihnen stecken mögen.

 

2.) Panel:

Pop nicht-binär

Während durch konservative Diskurse nach wie vor Ängste rund um „Genderwahn“ und „Transgenderideologie“ spuken und eine vermeintlich „bestätigte wissenschaftliche Erkenntnis der Zweigeschlechtlichkeit“ (in der Tageszeitung „Die Welt“) als Zeugin aufgerufen wird, ist die Popkultur – mal wieder – Lichtjahre weiter. Immer mehr Artists ordnen sich einer nicht-binären Geschlechtsidentität zu, was bedeutet, dass sie sich weder als weiblich noch als männlich verorten. Letztes Jahr hat sich mit Demi Lovato gar ein Superstar der amerikanischen Popszene als non-binary „geoutet“. Doch während Fluidität als paradigmatisch für avancierte popmusikalische Ästhetiken wahrgenommen werden kann, sind nach wie vor streng binäre Bilder von gelingender „Weiblichkeit“ und „Männlichkeit“ im Popbusiness extrem wirkmächtig. Was sind die Herausforderungen, heute als nicht-binäre Person Pop zu performen?

 

Diskutant*innen: Kerosin95, Lan Rex, Tony Renaissance, W1ZE
Moderation: Hengameh Yaghoobifarah vom Missy Magazine

 

In Coop w/ mica – music Austria
Presented by Wirtschaftsagentur Wien
Foto © Paula Winkler

 
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