Conny Frischauf

Das Schlüsselwort zur Beschreibung von Conny Frischaufs Zugang zur Elektronik ist „haptisch“: Zwei Synths, ein Sampler, ein Mikrophon, aber kein Bildschirm. Hier wird strikt per Hand gefiltert, das aber ohne angestrengten Analog-Fetischismus. „Die Drift“, das letztjährige Album der idiosynkratischen Wiener Künstlerin (nach den EPs „Effekt & Emotion“, „Affekt & Tradition“) fand beim sonst eher auf Krautrock-Reissues und Kosmisches aus den Siebzigern und Achtzigern spezialisierten Hamburger Label Bureau B sein logisches Zuhause, der Zusammenklang von Old School-Sounds und Frischaufs scheinbar teilnahmslosem Gesang evoziert nämlich die Menschmaschinen-Melancholie der frühelektronischen Ära. Nicht zu Unrecht erwähnten viele der begeisterten britischen Reviews als Referenz auch die frühen Orchestral Manoeuvres in the Dark.

Zeitgenössische Stilverwandtschaften fände man dementsprechend eher bei britischen Retrofuturistinnen wie Jane Weaver oder Gwenno Saunders als in der aktuellen Wiener Elektronik-Szene. Ein Song wie „Fenster zur Straße“, dessen Groove sich auf der Basis der geloopten Worte „ist ein“ formt, erinnert den Programmschreiber in seinen Erwähnungen „dringlichen Kummers“ und „wärmender Zimmer“ in der Tat atmosphärisch an das in sich gekehrte Wien des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Der teils grenz-dadaistische Witz von Frischaufs Poesie klingt dagegen eindeutig nach Jetzt, siehe etwa den Song „Auf Wiedersehn“: „Alles, was wir machen, was wir wollen“, fragt Frischauf da, „Tun wir es nur, weil wir es können? Worum geht’s dir? Worum geht’s mir? Keiner weiß das so genau“, nur um im Refrain jenem libertären Irgendwie die harten Hausregeln zu erklären: „Tust du mir weh, sag ich ade, tschüss, baba, Auf Wiedersehn.“

Text: RR / Foto © Anna Weisser

 
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