Liz Metta

Musikalische Allegorien auf das Leben mit der Pandemie gab es viele, aber wenige davon so paradox sonnig wie das im August 2020 in die Welt gesetzte Video zu „Visions“ von Liz Metta. Ganz allein sitzt sie dabei auf einem Bett mitten im Meer und singt: „Over the time learn to get calm in my mind / Over past years learned to get over most of my fear“, ehe man sie zur Reimzeile „the air is clear“ die Augen schließen, gedankenverloren pfeifen und spontan in Richtung Himmel abheben sieht.

Nicht minder unerwartet setzt dazu ein geshuffleter Walzer-Beat ein, und das Arrangement des Songs erhebt sich von der Bettkanten-Intimität in höhere Sphären. Spektakulär, aber trotzdem mit Gelassenheit.

Dieser erstaunliche Moment im frühen Schaffen der Maria Thornton (wie Liz Metta heißt, wenn sie nicht singt oder Songs schreibt) fand heuer seine Heimat auf ihrer ersten EP „Fragile & Strong“.

Vereint durch eine dreampoppig slackerhafte Kombination aus cleanen, verhallten E-Gitarren und Mettas schwereloser Stimme, versammeln sich darauf Lieder wie der unverschämte Ohrwurm „Shine My Little Light“, das angenehm bekifft repetitive „Clouds“, getragen von einem luftigen Beat und einer einzigen Textzeile („Oh, look at clouds / They’re different shapes in the atmosphere“), sowie der mutmaßlich autobiographische, selbsterklärende Titelsong. An dessen Ende wiederholt Liz Metta die Worte „It feels just right“ und stürzt sich mit einem gejauchzten „Hey!“ in ein hypnotisch kreisendes Gitarrenmotiv. Fragil und stark, bzw. Understatement mit Reverb.

Text: RR / Foto © Thomas Steineder

 
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