salute

Die ganze in den letzten Jahren verlorene Zeit ohne Tanzen, ohne von Beats bewegte Luft, sie muss immer noch nachgeholt werden, sie wird immer noch vermisst, körperlich und mental. Das scheint – zumindest in den Ohren des Programmschreibers – die Message zu sein, die in typisch hochgepitchten Vocals unüberhörbar aus salutes letzter Single „Therapy“ spricht: „The love you’re putting on me, it’s healing my body, you’re my therapy“, singt da die Britin Frances zu salutes euphorischen uptempo Garage-Beats. Detto „Joy“, salutes hochenergetisches Lebenszeichen im Herbst letzten Jahres, eine Kollaboration mit Leyla Fahm, die nicht nur die Vocals, sondern auch den Tune beisteuerte.

Als salute, geboren in Wien in den mittleren Nineties als Felix Nyajo, 2017 zum ersten und bisher letzten Mal beim Popfest mit einer aus seinen hiesigen, musikalischen Freund*innen rekrutierten Live-Band auftrat, kam er bereits aus seiner Wahlheimatstadt Manchester angereist. Mit „My Heart“ hatte er gerade ein Album voller Jazz-, R&B-, Soul- und Gospel-Bezüge veröffentlicht, auf dem er unter anderem mit Producer Krrum, der Singer-Songwriterin Gabrielle Aplin, KAMAU und D.R.A.M. (jetzt firmierend unter Shelley) zusammenarbeitete.

Spätestens mit seiner dreiteiligen EP-Serie „Conditions“, seiner lebensbejahenden musikalischen Reaktion auf den Tod seiner nigerianischen Großeltern, ist salute inzwischen wieder zu seinen Wurzeln als elektronischer Solo-Artist zurückgekehrt und hat dafür jede Menge internationale Anerkennung von Pitchfork über Crack Magazine und Fader bis zu BBC-Legende Annie Mac gesammelt, die seine Single „JTS“ on air gar zum „Hottest Record“ krönte. Aber das war noch damals 2019, in der Zeit vor dem Dings. Jetzt brauchen wir therapy. Dankenswerterweise hat salute genau das anzubieten.

Text: RR / Foto © Matt Garrett

 
fm4
wien2022