Cid Rim

Als Ko-Gründer des Affine-Labels, Producer, Elektroniker, Drummer und Tastenspieler war Clemens Bacher alias Cid Rim in eigener oder anderer Künstler*innen Sache an so gut wie allen Popfest-Ausgaben beteiligt. Sein erstaunlicherweise erst zweiter Solo-Auftritt in diesem Rahmen wird ganz im Zeichen seines jüngsten Albums „Songs from Vienna“ stehen.

Der Titel täuscht ein wenig: Zwar stellte der Teilzeit-Londoner diese Stücke tatsächlich 2020 während eines erzwungen langen Wien-Aufenthalts (warum wohl?) fertig, die darauf zu hörenden Sounds stammen allerdings aus allerlei Studios zwischen London, Los Angeles und Wien. Wo immer er für Sessions gebucht war, nahm Bacher sich Zeit für kurze Improvisationen an jenen dort typischerweise herumstehenden Vintage-Analog-Synthesizern, die bei Inbetriebnahme unberechenbar Idiosynkratisches von sich gaben. Die so entstandenen Aufnahmen bildeten die Grundlage abstrakter („Rain“), tanzbarer („The Marrow“), manchmal aber auch tatsächlich songförmiger Tracks, siehe etwa „Last Snow“, das die sichtbaren Auswirkungen der globalen Erhitzung thematisiert. Die reichlich verfremdeten Vocals hat Cid Rim dabei – zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt – selbst eingesungen.

In der Live-Umsetzung verlangt dieses neue Material von ihm eine Art musikalischen Jongleurs-Akt zwischen Schlagzeug, Synthesizern und Mikrophon, in diesem Fall nicht gerade vereinfacht durch die akustischen Voraussetzungen in der Karlskirche. Bacher sieht den natürlichen Hall des barocken Kirchenschiffs allerdings nicht als Manko, sondern als Inspiration. Er wird sein Set kreativ an die Umgebung anpassen, also nicht bloß in, sondern mit ihr spielen.

Text: RR / Foto © Mato Johannik

 
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