Ebow (Abgesagt)

UPDATE: Leider musste Ebow den Popfest-Auftritt gesundheitsbedingt kurzfristig absagen. Wir wünschen gute Besserung! (Als Ersatz wird EsRAP auftreten.)
 

Als Ebru Düzgün alias Ebow 2019 die Seebühne bespielte, war die Kampfansage „Schmeck mein Blut“ aus „K4L“ („Kanak 4 Life“) ihr Abräumer der Stunde. Die aus München Giesing kommende Rapperin rührte ordentlich um in der Wiener Szene, bestens vernetzt mit Leuten wie Femme DMC, Bad&Boujee oder der Burschenschaft Hysteria („In Wien habe ich auch gemerkt, dass man nicht nur als eine Rapperin eine andere Rapperin unterstützt, sondern auch versucht, gemeinschaftlich etwas auf die Beine zu stellen“, sagte sie damals im MICA-Interview). In der Zwischenzeit ist viel passiert, von einer Single mit Balbina bis zum jüngsten, epischen Album „Canê“.

Im nach dem kurdischen Wort für „Seele“ (aber auch „Liebling“) benannten Titelstück verhandelt Ebow nuanciert die unzähligen Widersprüche des Alltags „zwischen Selbsthass und sich selbst beweisen / Zwischen queer in der Liebe und straight in der Familie […] Zwischen Hass fühlen und trotzdem Hoffnung verkünden […] Zwischen Online-Shoppen und Online-Petitionen  […] Zwischen tausend Followern und trotzdem allein sein […] Zwischen Existenzängsten und die Existenz vermarkten.“

In „Prada Bag“ wiederum wechselt sie effektvoll zum Spoken Word, dreht so die Perspektive nach außen („Schau mal die Leute fragen immer, warum muss es im Rap darum gehen, wer wieviel Cash macht, welche Marken du trägst, welche Wagen du fährst undsoweiter, ne?“) und liefert die Antwort von innen: „Ich gönne mir das, was keiner in diesem Land mir je gönnen würde.“

Ein Track wie „Dersim62“ assoziiert dagegen die an mehreren Schauplätzen zugleich ausgefochtenen Kämpfen des kurdischen Volkes bzw. der kurdischen Diaspora um Anerkennung („Free my people, free meine Leute, Kurdistan, free meine Träume, sie nehmen den Platz, wie eine Seuche, wir bleiben da, wurzeln tief wie die Bäume“) mit ihrer eigenen Identität als Rapperin im deutschsprachigen Raum: „Was mein größter Flex ist, dass ich ich selbst bin“, rappt Ebow, „Wuchs durch Beton, meine Wurzeln sind magic.“

Text: RR / Foto © Marko Mestrovic

 
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