XING

Ein smoother R&B-Track, gebettet auf einen federleichten Schlagzeug-Beat, Musik, wie du sie unter günstigen Umständen in einem geschmackssicheren Konsumtempel zu hören kriegen könntest, während du dich gerade – potenziell neu betucht – im Anprobespiegel betrachtest. Und plötzlich spricht der Text des Songs direkt zu dir: „Someone taught me how to hate myself / Was it you? Was it me? Nah! / Why do I care what you think of my body? / Someone taught me how to love myself / Was it me? Was it me? Yeah / I don’t give a fuck what you think of my body.“

XING hat eine unwiderstehlich selbstverständliche Art, frontal und direkt Themen wie Body Positivity (oben zitiertes „Was It?“), Sexual Politics („Swallow You“), elterliche Konditionierung oder – als Kind einer chinesischen Familie in Österreich am eigenen Leib erfahrenen – Rassismus anzusprechen („Own The Gold“, letztere drei allesamt aus ihrer letztes Jahr erschienen EP).

Sie bettet diese Botschaften in einen auf gute Art gefälligen, souligen Sound erwischt so ihr Publikum auf dem falschen Fuß, aber doch dem „good foot“. Und wenn sie – wie in ihrer 80s-inspirierten Single „Rain“ – einfach über die Liebe singt, klingt das um nichts weniger existenziell.

Bei Ines Kolleritsch und Lou Asril sang XING einst im Hintergrund, erstere wechselt hier nun (who needs Hierarchien?) Positionen und unterstützt XING an Keyboard und Gesang neben Julian Berann (Drums) und Thorsten Kaiser (Bass, Synthbass).

Text: RR / Foto © Hanna Fasching

 
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