W1ZE

Untertrieben gesagt, sind die Tunes von W1ZE tendenziell Sex-positiv: „I got the real juice“, verspricht sie in „Gahd Dayum“. „Yea like the end days we do it every day / Fucking every day yea yea“, verkündet sie wiederum in „ENDay$“. All das wär schon aufregend genug, aber dennoch nur halb so interessant, wenn darunter implizit nicht auch eine gewisse Darkness mitschwingen würde, über die W1ZE sich mit ihren schimmernden R&B-Sounds hinwegsetzt (als Einflüsse nennt sie bescheiden Prince, Beyoncé und FKA Twigs). Hedonismus, ja, aber eben schon vor dem Hintergrund der Endzeit.

In ihrer bisher düstersten, jüngsten Single „Ghosted“ findet W1ZE sich – wie der Titel suggeriert – von ihre*m Lover kaltgestellt wieder: „Was it just a game?“, fragt sie, „Coz I was the main bitch but now I’m your side piece.“ Im Video dazu wirkt W1ZE allerdings alles andere als wehrlos, den Mund hat sie nach Jocker-Manier breit geschminkt, dazu schwingt (oder leckt) sie gleichermaßen bedrohlich wie kokett einen Lippenstift-verschmierten Baseballschlager.

W1ZE hat Wurzeln in Zimbabwe, Deutschland, Indien, Malaysia und zelebriert die Diversität ihrer queeren Identität. Sie wünscht sich aber, dass ihr Publikum ihre Songs „nicht nur auf einer persönlichen Ebene“ versteht, sondern auch „dasselbe Gefühl von Freiheit nachfühlen kann“, das sie aus ihrer Musik bezieht. Und so fungiert all der offensive Sex-Talk in ihren – stets zum Nachlesen unter den Videos geposteten – Texten unterhalb der lasziven, glossy Oberfläche am Ende auch als eine Art Shortcut zu einem freieren, ungehemmten Ich.

Text: RR / Foto © Valerie Logar

 
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