Friedberg

„Zum ersten Mal hab ich das Gefühl, dass ich wirklich tue, was ich will und immer tun wollte. Davor waren mir meine Unsicherheiten und meine eigenen Ängste im Weg, und ich wurde von so vielen Leuten herumgeschubst, die sagten: ‚Du solltest dies oder jenes machen.’”, sagt Anna Friedberg, „Es hat lange Zeit gedauert, herauszufinden, was ich wirklich wollte.“ Genau genommen ist dieses Zitat eine Übersetzung aus dem englischen Original, schließlich lebt Friedberg heutzutage in London, wo sie auch ihre Mitmusikerinnen aufgegabelt hat. Gemeinsam firmieren sie, Emily Linden (Gitarre, Stimme), Cheryl Pinero (Bass, Stimme) und Laura Williams (Schlagzeug) nun schon seit gut drei Jahren als Friedberg, die Band.

Allein der Titel ihrer jüngsten Single „Never Gonna Pay The Rent“ zeigt, dass das prekäre, aber leider dann doch aufregende Leben in der britischen Metropole (die klassische Weltstadt-Falle) seine Spuren im Songwriting der (Ex-)Steirerin (ihr Pseudonym ist der Name ihres Geburtsorts) hinterlassen hat.

Ihre letztjährige EP „Yeah Yeah Yeah Yeah Yeah Yeah Yeah Yeah“ (acht Yeahs, leicht zu merken) wurde vom Label als ihr Debüt vermarktet, und das ist auch – wie man in London sagen würde – fair enough. Denn wenn man Anna Friedbergs obige Aussage respektiert, hat es wenig Sinn, sich hier mit Einschätzungen einer früheren Popkarriere unter anderem Namen aufzuhalten, die tatsächlich wenig bis gar nichts mit ihrem heutigen Schaffen zu tun hat. Zwischendurch war sie via eines Trips durch die Mojave-Wüste in Berlin gelandet, wo eine erste Inkarnation von Friedberg (mit Daniel Brandt und Matthias Biermann) den abgespeckt arrangierten Hit „Boom“ hervorbrachte. Die Londoner Version der Band im neuen Line-Up wiederum schaffte es mit der Single „Go Wild“ in den Soundtrack der eine ganze britisch/irische Generation prägenden, sechsteiligen Sally Rooney-Verfilmung „Normal People“, aber auch an die Spitze der FM4-Charts.

Text: RR / Foto © Max Parovsky

 
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