Euroteuro

Keine Band war besser auf das Kommen einer neuen Ära der Hyperinflation vorbereitet als Euroteuro. Sie singen für dein Recht auf Eskapismus, selbst wenn du dir nichts mehr leisten kannst. „Flieg mit mir bis zum Mond“, insistiert Peter T. unaufgeregt aber eindringlich zu einem blubbernden Electropop-Beat auf „Mond“, der jüngsten Single des live auf ein Duo geschrumpften Kollektivs (mit Katerina Maria Trenk, die mit T. unter anderem 2011,13 und 16 beim Popfest in der Band Sex Jams spielte). Das klingt wohl kaum zufällig wie eine Fortsetzung von Euroteuros „Ja Ja Ja“ aus ihrem zweiten Album „Volume II“. Andere parallel weitergesponnene Narrative in ihrem Schaffen sind etwa die Zelebrierung eines Prekariat und Proletariat vereinenden Scheißdrauf-Hedonismus („Insel“ bzw. das unverwüstliche Debüt „Autogrill“) oder die Song-gewordene Anwendung von Bertrand Russells Lob des Müßiggangs („Kündigung“, „Sag Alles Ab“).

In diesem Sinn kann man Zeilen wie „Lassen sie einfach das Studium sein“ aus „Wenn das alle täten“ ebenso als ironisch wie ernsthaft subversiv interpretieren. Die Verweigerung der vom Neoliberalismus verlangten ständigen Selbstoptimierung trifft dabei auf den gelebten Widerspruch der beiden emblematischen europäischen Fetische von Bewegungsfreiheit und Wachstum. Der Leitzinssatz ist nicht die Antwort, Euroteuro schon.

Text: RR / Foto © Kurt Flock

 
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