Adaolisa

Sie ist vielleicht keine Heldin des Feuilletons, aber – Überraschung – dort ist die Popmusik auch nicht zuhause. Schon gar nicht solche wie die von Adaolisa, die ganz ohne kunstige Brüche auskommt, wenn sie mittels R&B-Beats und elegant gefächerten Backing Vocals direkt ins Getümmel ganz in der Mitte der Crowd zielt. Ihr populärster Song „…Miss Me“, produziert von madL, streamt tief in den sechsstelligen Zahlen, aber inhaltliche Kompromisse braucht es dazu nicht. „Tell a boy bye / If he don’t love you, tell a boy bye”, heißt es im Refrain, denn “their bullshit, ah, I don’t need it.”

Als Afro-Österreicherin, erfahren wir aus ihrer Biographie, könne Adaolisa auf eine Vielfalt kultureller Erfahrungen zurückgreifen, die ihr auch das nötige Zeug dazu geben, in ihrer eigenen Musik die verschiedensten Genres zu verknüpfen. Sie wuchs in Johannesburg auf, „stets umgeben von Musik, die der Macht die Wahrheit sagt“, von Brenda Fassie bis Fela Kuti, aber auch den Stimmen globaler Soul- und Pop-Größen wie Michael Jackson, Lionel Richie oder Luther Vandross. Ihre musikalischen Abenteuer begannen, als Adaolisa im Schlafzimmer einer Freundin ihre ersten paar Songs schrieb und selbständig aufnahm. 2019 erschien ihr Debüt „Bae Privileges“, gefolgt von einer Reihe generös in die Welt geworfener Singles und der Neo-Soul-lastigen EP „Banana Island“, vorläufig gipfelnd im perkussiv minimalistischen Ohrwurm „dontplay“.

Text: RR / Foto © Florian Moshammer

 
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