Samstag, 25. Juli 2020 21.00

HIRSCH FISCH

Norbert Trummer VOC., UKULELE, HARMONIUM
Klaus Tschabitzer
VOC., BANJO, DOBRO, GITARRE, SOUND SYSTEM
Gottfried Gfrerer RESONATORGITARRE
Walter Perlmurl Lameraner SAXOPHON
Roman Geßler SAXOPHON
Jakob Lang KONTRABASS
Florentin Scheicher TROMPETE
Florian Röthel SCHLAGZEUG, PERCUSSION

Gestatten, die famosen Herren Hirsch Fisch!

EINE LIEBESERKLÄRUNG VON RAINER KRISPEL
Seinen Namen entlehnt das Duo Norbert Trummer und Klaus Tschabitzer dem Roman „Hotel Savoy“ von Joseph Roth (1924). Hirsch Fisch sind ein ganz großer Schatz der aktuellen österreichweit gemachten Musik.
Es schadet Musik nie, wenn die Menschen, die sie machen, zusätzlich noch oder gar primär andere Sachen machen. „I bin von meinem Hauptgeschäft her bildender Künstler, mache Zeichnungen, Malerei und Trickfilme.“ Klaus habe unter seinem Alter Ego „schwimmer“ immer wieder diese Trickfilme vertont, erzählt Norbert Trummer. Beide Mitglieder von Hirsch Fisch stammen aus der Steiermark und machten in ihrer Wahlheimat Wien Anfang der Neunziger als Scheffenbichler schon einmal gemeinsam originäre, ganz spezielle Musik, Zeitzeug*innen in legendärer Erinnerung. 2016 begann das Duo die Songs und meist im Dialekt gehaltenen Texte von Norbert zu vertonen, die dieser singt und mit Ukulele oder Harmonium begleitet. Tschabitzer aka Johnny Schwimmer (dessen Schaffen als schwimmer das Suchen und Finden lohnt) stellt sich als multiinstrumentaler Sideman par excellence (Banjo, Dobro, Gitarre, Perkussion und Stimme) ganz und gar in den Dienst der Lieder. Klaus Tschabitzer unterstreicht sein meisterlich praktiziertes Selbstverständnis mit einer Musiker-Anekdote: Der US-Saxophonist Lester Young habe einem übereifrigen Kollegen ausgerichtet, dass er keine Tonleitern, sondern die Texte der Stücke lerne, weil er zu diesen etwas erzählen wolle.

Was und wie die Stücke von Hirsch Fisch zu sagen wissen, macht ihre beiden Alben, „Hirsch Fisch“ (2017) und „In da Nocht“ (2019), beide verlegt vom geschmackssicheren Spezialitäten-Label Early Morning Melody, zu lebenserhellenden Großtaten, deren Wirkung gerade in Zeiten von Krisen (von Viren oder wovon sonst auch immer verursacht nicht zu unterschätzen ist. Was ebenso für die Vinyl-Single mit einem der vielen Hits des zweiten Albums „Zweite Kassa bitte“ gilt, dessen „Kassa Dub“ von Pulsinger & Irl die nicht nur musikalische Weltoffenheit und ‑gewandtheit des Duos unterstreicht. „ … singen Taubenlieder und treffen einen Dinosaurier“, in Zusammenarbeit mit dem Stimmgewitter Augustin eingespielt und 2019 von Lili Records auf CD verlegt, komplettiert die substantielle Hirsch Fisch-Diskographie. Unter seinem korrekten Titel „Der Dinosaurier“ geführt, ist der Song einer der Hits des Album-Debüts, ein Paradebeispiel für die Liedkunst des Duos, bei dem mit der Beschreibung einer unwirklichen Situation – ein Dinosaurier in der Jetztzeit – ein Refrain von universeller Gültigkeit daherkommt: „Fehler können jedem passieren.“

Ein Leichtes, anlässlich solcher Zaubermusik Worthülsen wie „urbane (Meta-)Folklore“ oder „imaginärer Folk“ („Jimmy war kein Cowboy/Jimmy war kein Seemann/Jimmy war ein Trafikant“, aus „Jimmy“) zu bemühen, und ja, das kann mensch schon sagen. Doch sie erklären bedingt, was wirklich passiert, wenn Norbert Trummer und Johnny Schwimmer den Hirsch Fisch auspacken und etwa im Ambiente des Ottakringer Weinhaus Sittl ihre lovely Lovesongs „Liebling, du bist zu schnell für mich“ oder „Ich sah sie auf der Leiter stehen“ intonieren, und ein Publikum von Hirsch Fisch-Kenner*innen und ‑Noviz*innen aus dem Moment heraus diese Instant-Hits lachend und berührt zugleich mitsingt und sie danach als sorgsam gepflegte Ohrwürmer mit in den Alltag nimmt. Vielleicht bringt uns die Referenz Jonathan Richman (noch) weiter, einer der ganz großen unprätentiösen Weisen der Popwelt, dem Hirsch Fisch einen wunderbaren Song widmen. Nicht zu übersehen, dass beide Alben mit Liedern anheben („Des eiskoite Wossa“, „Schlauchboot“), die um Tod und Endlichkeit kreisen, oder dem Duo mit „Irgendwaunn“ ein unendlich tröstlicher, friedlicher und humanistischer Banjo-Dialekt-Gospel gelungen ist. „Irgendwaunn, irgenwaunn wirds goar nix gebn.“

Die Strasse ist lang, der Himmel ist blau/Und hinter dem Horizont wartet das Glück/Wir können´s nicht seh´n, darum geh´n wir zurück.“ („Söhne der Wüste“) Das Aufsuchen eines Hirsch Fisch Konzerts hingegen kann zu einem Glück führen, garantiert!