JUNGLE JADE

Yelvilaa Bodomo und Shariar Hosseini haben eine gemeinsame musikalische Qualität, die sich weder mit Stilbegriffen noch mit Noten festmachen lässt. Das, was man auf Englisch „tone“ nennt und sich weder als „Ton“ noch als „Ausdruck“ befriedigend ins Deutsche übertragen lässt. Sie im satten Vibrato ihrer expressiven Stimme, er in den crispen Sounds seiner Stratocaster.
Sie (aus Ghana via Hongkong) und er (aus dem Iran) haben sich in Wien kennengelernt und in den Live-Lokalen am Gürtel in den letzten sechs Jahren eine Art Heimat erspielt.
Das klingt zunächst ganz romantisch, aber im Mica-Interview mit Marina Klimchuk geben Jungle Jade Auskunft über die aufreibende Ungewissheit des Daseins als Migrant*innen in einem europäischen Land wie diesem. „Wir haben oft immer noch mit den gleichen Dingen zu kämpfen. Genauso wie früher spielt MA35 eine Riesenrolle in unserem Leben, weil dort unsere Visa verlängert werden“, erklärt Bodomo, „Eine Situation von permanenter Instabilität, die psychisch sehr belastend ist. Die Geschichten in unseren Songs sind keine konkreten Geschichten von etwas, das tatsächlich passiert ist. Sie repräsentieren unsere Gefühle und die sind zeitlos. Unsere Single ‚The Fall‘ handelt von einer Person, die von einer Brücke springt, um an einen Ort zu kommen, wo sie schließlich sein will. Und natürlich habe ich das nicht selbst getan, aber manchmal fühlt sich das so an, als ob man so etwas tun will, um an einem anderen Ende wieder rauszukommen.“
Und Hosseini: „Ich will nicht ständig laut schreien müssen, was ich auf politischer Ebene als Migrant in Österreich durchmache. Manchmal fühlt es sich aber so an, als ob wir unsichtbar seien für Organisationen, die Kunst von Migrantinnen und Migranten fördern. Wir sind ihnen nicht explizit politisch genug – stattdessen will man uns ein Identitätslabel aufdrücken.“
Ganz ohne politischen Kontext über persönliche Befindlichkeiten zu singen, das ist in der Tat ein beharrlich einheimisches Privileg.
Aus dem Info-Text: „Jungle Jade befasst sich mit den unsteten mentalen Zuständen, den oszillierenden Bewegungen, die entstehen, wenn man versucht, an einem neuen Ort Wurzeln zu schlagen. […] Jungle Jade ist durch und durch verletzlich und weigert sich, die innere Zerrissenheit zu verschweigen, die durch Migration, psychische Krankheiten, Ehrgeiz, Liebeskummer, Heilung – und die Freuden dazwischen – verursacht wird. Im Dezember 2020 schlossen sich weltweit leidenschaftliche Unterstützer zusammen, um die Crowdfunding-Kampagne des Duos für ihr erstes Album zu einem erstaunlichen Erfolg zu bringen. Produziert von Sebastian Wasner von Austrian Apparel, wird das nach dem Duo benannte Album im August 2021 erscheinen.“

Foto © Ina Aydogan