YUGO

Früher Jugo Ürdens, seit drei Jahren einfach nur mehr Yugo, mit sieben aus Mazedonien nach Wien gekommen, im Sechzehnten aufgewachsen „mit dem Geruch in der Nase von der Schokofabrik mit der rosanen Farbe […] unweit vom Gürtel, umgeben von Albanern, Jugos und Türken.“ Yugo ist eine der bestimmenden Figuren des Wiener Rap, perfekt definiert wie seine Backenknochen in den Selbstbeschreibungen seiner Reime: „Irgendwo zwischen Akademiker und Gastarbeiter“ bzw. natürlich, es darf nicht unerwähnt bleiben, „der schönste Mann in Wien.“
„Ich will entweder reich oder zumindest ein Meme im Internet werden“ rappte er 2017 in „Yugo“, seiner Liebeserklärung an Papas Zastava, und dann im Jahr darauf nach seinem Deal mit Division in „Läuft“: „Habe Booking, habe Label / Gebunden an Verträge / Verkaufe meine Seele / Doch dafür ein gutes Leben.“
2018 umriss Yugo (damals noch Jugo Ürdens) in einem Interview mit Blogrebellen auf einer Parkbank mit seinem engsten Rapper-Bruder Slav seinen Masterplan: „Ich hatte so irgendwie das Gefühl, meine Eltern haben’s irgendwie nicht geschafft so in Österreich, sich da durchzubeißen, so wie’s sein sollte. Und war dann für mich irgendwie immer so drin: Okay, ich zeig den Leuten, wie’s hoffentlich auch anders geht, und nicht durch Studium und 20 Jahre irgendeinen Schwanz lutschen.“
Während er damals noch für Manner-Schnitten warb, fährt Yugo in „Babylon“ von seiner gleichnamigen jüngsten EP mit weltliterarischen Referenzen auf („Formatier den Kopf neu / Krieg und Frieden, Tolstoi“) und zitiert die griechische Sage des in seine eigene Kunst verliebten Pygmalion.
Seine Erklärung dazu aus einem Interview mit Pulsmusik: „Bei der brennenden Statue kann man vielleicht auch hinein interpretieren: Man muss immer wieder seine Kunst, und was man macht, zerstören und wieder neu aufbauen, um sich halt stetig weiterzuentwickeln und nicht zu stagnieren und alles immer gleich zu machen.“
Ko-Kuratorin Esra Özmen sagt: „Ich glaube Yugo ist für mich auch interessant, weil er nicht den Erwartungen entspricht, die man von einem Jugo in der Rap-Szene haben will. Er spricht ja auch so, dass er gut aussehend ist und modelt und so weiter, und gibt dem auch für Jugendliche eine ganz andere Art von Selbstbewusstsein. Wie man auch sein kann und dazu stehen kann, wie man ist. Der hat jetzt keine Knarren in der Hand oder fette Autos. Er rappt über ein Yugo-Auto, das eigentlich hin ist, aber wir lieben es alle. Das ist sein Image. Deswegen find ich’s auch voll interessant. Er ist sich bewusst, was er ist, und spielt mit dem.“
„Und er lässt dieses Macho-Gehabe, das in dieser Musik schon sehr verbreitet ist, völlig aus, was extrem cool ist“, fügt Ko-Kurator Herwig Zamernik hinzu, „Das ist stark.“

Foto © Masa Stanic