KID PEX

Ich bekämpfe systematisch das System in mir“, rappte er 2017 in „Antifašista“, aber die Energie seiner aktivistischen Rebellion richtet sich auf unzweifelhaft Deutsch und Kroatisch nach außen, als Stimme der „linken Straßenuntergrund-Gemeindebau-Guerilla“ gegen die erstickende Allgegenwart von Rechtsruck und Rassismus. Von Stenzel und Hofer geächtet, von Gabalier verklagt, wurde der „Stefan Weber des Rap“ (Untertreibung: Bernhard Rabitsch) heuer auch von den Wiener Integrationswochen zur „Persönlichkeit des Jahres“ gewählt. Man könnte fast vergessen zu erwähnen, dass er nun schon seit Jahrzehnten als Tschuschen-Rapper den Sound der Stadt prägend umdefiniert hat.
Ko-Kuratorin Esra Özmen gehört zu den vielen, die selbst von seiner Pionierarbeit profitiert haben. Als 16-jährige, die gerade einmal ihren ersten Song „Ich leb in Wien“ fertiggestellt hatte, sah sie ihn zum ersten Mal live im WUK bei einer Party für die HipHop-Kollabo „Ich bin Wien“: „Er hat damals glaub ich fast nur auf kroatisch gerappt. Und dann haben wir uns irgendwann auf Demos und persönlich kennengelernt und Songs zusammen gemacht“, sagt Özmen. Inzwischen habe Kid Pex sich „mega weiter entwickelt, er hat auch (die Hilfsinitiative für Geflüchtete) SOS Balkanroute gegründet und ist sehr viel in Bosnien an der Grenze. Ein sehr politischer, cooler Mensch, der geile Musik macht seit Jahren. Seine Geduld, nach sicher schon 20 Jahren immer noch an Rap zu glauben, ist wirklich unglaublich. Alle, die so lange Rap gemacht haben, haben irgendwann den Glauben an Österreich verloren und gesagt ‘Wir kommen hier nicht weiter, wir lassen’s.’ Aber der Typ ist drangeblieben, und er gibt uns Motivation. Ich liebe den Brudi.“

Foto © Michael Kendlbacher