SLAV

Wer dieses Spiel früh anfängt, dessen Aufwachsen bleibt gnadenlos auf Youtube dokumentiert. Der Glücksfall bei Slav ist, dass er sich, seit er vor circa vier Jahren unter seinem alten Pseudonym Einfachso in der Umgebung von Jugo Ürdens auftauchte, wie nach einem gut ausgedachten Skript fließend in die Figur des „Polen aus Wien“ entwickelt hat.
In einem Puls-Interview vor einem Jahr erklärte der als 3‑jähriger 1991 mit seinen Eltern nach Wien gekommene Slav seine Transformation so: „Mein Opa heißt schon so Władysław, mein Vater mit zweitem Namen Stanisław, also aus dem ‑sław hab ich den Polen integriert, ohne ł und mit einem v, das mir im Polnischen gar nicht haben, und so ist dann Slav entstanden, der Pole aus Wien.“
So lautet auch der Titel seines derzeitigen Tapes, das sich ausnimmt wie eine Compilation der jüngeren Hits: Angefangen vom selbstironischen „Blass“ („Sie sagten, ich wäre zu blass für diese Musik“) über „808“, „Bus“, „Klubben“ oder „150 km/h“ bis zu „Weiter drehen“, dem Song, in dem Slav Ende letzten Jahres die Erfahrung des doch nicht ganz verlorenen 2020 in Worte fasste: „Ja wir sind am Rollen / Kuck, die Zeit vergeht / Jungs drehen Runden, aber Zeiger stehen / Als wär die Welt grad auf standby / Aber ich weiß, dass sie sich weiter dreht.“
Jeder Aspekt des Slav-Styles ist in seinen Songs dokumentiert, „Stash Sativa und die Tennissocken Fila“ (FILA), drüber Adidas zu Nike-Schuhen: „Jeder Pole trägt Tristrip / Jeder Jugo trägt Tristrip / Lewandowski trägt Tristrip“, rappte er in einem der vielen Gassenhauer seines Katalogs, der mittlerweile von „Citybike“ auf der Debüt-EP „TAK TAK“ (2017) über erwähntes „Tristrip“ auf „UDTZ UDTZ“ (2018), „Nie genug“, „Connections“ und „Skład“ (die polnische Schreibweise von Squad) auf seinem Debüt-Album PLUSVIERACHT (2019) bis zu dem beinahe resignierten „Lifestyle“ von der EP „CONS U ME“ (2020) reicht. Auf letzterem Release wagte er sich gar in Richtung Techno-Rap vor, denn Beats-technisch ist Slav alles andere als dogmatisch. Er sieht seinen Rap immer schon als losgelöst von der Hip Hop-Kultur. „Rap ist im Pop angekommen, Pop ist Rap“, sagt er, „Ich steh gut dazu, es hat viele Türen geöffnet, man kann sich viel mehr austoben, du bist nicht mehr nicht so gebunden an Vorschriften.“

Foto © Sophie Krumboeck