ANNA MABO

Die Anna Mabo, die einst auf ihrem Debüt „Die Oma hat die Susi so geliebt“ (es ist tatsächlich erst zwei Jahre her) mit ständig die vierte Wand brechenden, faux-naiven Songs wie „Ubahn fahren kann ich schon“ eine nie zu spät kommende Wiener Antwort auf Jonathan Richman gab, die gibt es auf ihrem zweiten Album „Notre Dame“ immer noch. Zum Beispiel in „das fahrradschloss“ oder „he jakob“. Aber sie geht auch noch einen Schritt weiter, sei es subtil in Richtung des Widerspruchs zwischen jugendlichem Zukunftswunsch und der von der Klimakatastrophe bedrohten Erde, wo man sich im April schon einen sehr allegorischen Sonnenbrand holt und vorzeitige Resümees sich aufdrängen (das flirrende „am werden“ und seine Schlussfolgerung „die apokalypse“). Sei es brachial wie „das glashaus“, Kunstlied-artig wie „der witz“, symbolisch persönlich wie im Quasi-Titelsong, der das Ende einer Beziehung mit dem Verbrennen des Kathedralendachs gleichsetzt („die kirche“).
Oder sei es schlicht schockierend wie das Video zu „der bär“, das einen völlig unerwarteten Kontext zwischen der Grausamkeit des Alltags und der eigentlich so tröstlich klingenden Botschaft des Lieds herstellt: „Und vor dir liegt die Straße wie ein toter grauer Bär / Du steigst auf seinen Rücken, und der Bär atmet schwer / Und er erhebt sich und trägt dich zum Meer.“ Es erübrigt sich festzustellen: Anna Mabo ist nicht nur Singer-Songwriterin, sondern auch eine Dichterin (nicht dasselbe), heutzutage übrigens unterstützt von Thomas Pronai am Schlagzeug, dem Sohn- und Vaterpaar Karl und Ernst Molden an Bass und Gitarre (und normalerweise dem Pizzicato-Virtuosen Clemens Sainitzer am Cello, der allerdings .
„Die Anna Mabo hat in den letzten eineinhalb Jahren viele extreme Kurven gemacht“, sagt Ko-Kurator Herwig Zamernik, „Sie fängt mit schmeichelnder Poesie an und schmeisst dann so scharfe Kanten in den Äther, das kann gerade niemand so scharf wie sie. Deswegen steht das auch sehr für unser Programm, dass nach dem Süßlichen die Watschen immer kommt, in irgendeiner Form. Und auch diese Klarheit und das Wissen um die Dinge ist etwas, das Anna Mabo auszeichnet.“

Foto © Thomas Schrenk (thomasschrenk.com)