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Die Singer-Songwriterin Änn fühlt sich an Gitarre und Klavier gleichermaßen zuhause.

ÄNN

ÄNN

Freitag, 26 Juli 21.00

Bei aller vielzitierter. weltbester Lebensqualität: Wien macht es den Leuten, die sich in diese Stadt verlieben, schon auch nicht immer leicht. Es war etwa ein bittersüßes Gefühl, im November 2018 „Vienna“, die zweite Single der Singer‐Songwriterin Änn zu hören. Ihr vorangegangenes, vielversprechendes Debüt „Painted Floors“ hatte gemessen wie ein alter Go‐Betweens‐Song begonnen, einen Refrain mit staubtrocken sarkastischer Pointe abgeliefert („Could it be maybe you are just a little disappointed / That I don’t want you too“) und war in der Middle‐Eight in von perfekten „Oooh“-Chören getragene Grenzpsychedelik abgebogen. „Vienna“ dagegen wiegt die Hörer*innen in der trügerischen Sicherheit seines Themen‐immanenten Dreiviertel‐Taxts, doch nachdem Änn überzeugend von jener Wahlheimat geschwärmt hat, an die sie ihr Herz verlor, charakterisiert sie deren Bewohner*innen als Menschen, die nur nur traurigstes Zeug reden, „as they desperately wait for the sea to appear.“
Der hat gesessen. Genau so ist es, der mangelnde Meerblick war immer schon der tiefliegende Grund für den mit schwarzer Tinte auf die Wienerseele tätowierten Groll.
Alina Nimmervoll alias ÄNN, hat das messerscharf mit dem glasklaren Blick der Zugezogenen identifiziert. Die Kitzbühlerin mit brasilianischen Wurzeln, die sich an Gitarre und Klavier gleichermaßen zuhause fühlt, kam wegen ihres zweiten Studiums am Konservatorium hier her. In ihren frühen Zwanzigern bzw. der neuen Stadt kehrte sie also wieder zu jener Kunst des Songschreibens zurück, in der sie sich schon als Kind auf dem Keyboard der großen Schwester versucht hatte. Im großen Gleichgewicht der Schöpfung hat also selbst der Wiener Grant seinen Nutzen, nämlich den, einer ÄNN den Anlass zu geben, sich über ihn mittels Songwriting hinwegzusetzen.
(Wozu hingegen Kleidermotten da sein sollen, erklärt das zwar immer noch nicht, aber das ist hier auch nicht das Thema.)