Menu

Philipp Hanich alias Bruch hat seine ganze Rockband mit Schlagzeug, Orgel, Gitarre und Bass hinter sich. Obwohl man sagen muss, dass der Mann mit der schweren Stimme genauso effektiv gegen die programmierte Gewalt seiner Backing-Tracks anzusingen vermag.

© Dino Spiluttini

Bruch

Donnerstag, 27 Juli 23.00

Er ist ein wandelndes Paradoxon: Alan Vega von Suicide ist ja nun leider schon tot, aber seinem Wiedergänger Philipp Hanich alias Bruch geht es gut, denn er hat heutzutage seine ganze Rockband mit Schlagzeug, Orgel, Gitarre und Bass hinter sich. Obwohl man ja sagen muss, dass der Mann mit der schweren Stimme genauso effektiv gegen die programmierte Gewalt seiner Backing‐Tracks anzusingen vermag. Beim Popfest wird der irgendwann aus München gekommene und nie mehr gegangene Vollwiener vor allem Songs aus seinem letztes Jahr bei Cut Surface Records (ehemals Totally Wired) erschienenen Meisterwerk „The Lottery“ vortragen. Von „To My Sanity“, zu dem das geistige Auge Phil Spector bei Sperrstunde einen sturztrunkenen Foxtrot mit einem Vileda‐Wischmop tanzen sieht, bis zu „Eggshaped Moon“, das groovet wie eine humpelnde, übergewichtige Donna Summer. „As I mentioned once before / I just wanna sing / I wanna sing“, schnaubt Hanich wiederum im Titelstück durch seinen dunklen Oberlippenbart. Übrigens einer der berührendsten Songs über die Arschlöcher auf dem Weg in die Arbeit, die Depression und das trotzdem Weitermachen, den die Welt seit langem gehört hat. Es hämmert und scheppert der Backbeat, der uns immer wieder vom Rockabilly bis zum Electro‐Punk und zurück zur existentiellen Frage führt: „Maybe I was just a simple fool / Or maybe I was just a happy man.“ Die Antwort darauf weiß man wahrscheinlich erst ganz am Ende.