Menu

„Wir Beat-Menschen sind nicht umsonst Beat-Menschen. Weil ich bin gern im Hintergrund. Ich hasse das Rampenlicht, das brauch ich überhaupt nicht, und Rapper sind genau das Gegenteil“

BRENK SINATRA

BRENK SINATRA

Freitag, 26 Juli 02.00

„Wir Beat-Menschen sind nicht umsonst Beat-Menschen. Weil ich bin gern im Hintergrund. Ich hasse das Rampenlicht, das brauch ich überhaupt nicht, und Rapper sind genau das Gegenteil“, sagte Brenk 2012 im Interview mit dem Hip Hop-Zine The Message. Bloß geht das mit dem Verstecken im Hintergrund so schon lange nicht mehr, schließlich verlassen auch Beat-Menschen endgültig die Anonymität, wenn sie etwa einmal für DJ Premiers Label einen McEiht produzieren. Brenk hat im letzten Jahrdutzend durch seine beharrliche Arbeit, von der Stiege 44-Posse bis zum endgültigen Durchbruch mit seiner Instrumental-Scheibe „Gumbo“ (gefolgt von „Chop Shop“ mit Fid Mella und „Gumbo 2“) seiner Heimat Kaisermühlen auf die Weltkarte des Hip Hop verholfen. Auch wenn er immer schon wusste, dass man über den Atlantik schauen muss, um in dieser Branche wirklich was – wie zum Beispiel einen Lebensunterhalt – zu erreichen. „Ich hasse ja nicht Wien an sich, ich liebe ja Wien. Ich bin ja Wiener durch und durch“, erklärte Brenk im selben, oben zitierten Interview, „Nur hasse ich die Mentalität der Österreicher, der breiten Masse, was Musik angeht.“ Was er meint, ist die geringe Wertschätzung für KünstlerInnen, die auf Youtube hunderttausende Clicks sammeln, aber nichts von ihrer Musik verkaufen können, potenzielle Genre-Klassiker, die verloren gehen, weil es keine geeigneten Vertriebswege dafür gibt. Alles altbekannte Beschwerden, die mit Sicherheit ganz genauso bei unserem Diskussions-Panel über das Wien.Pop-Buch zur Sprache kommen werden – wenngleich rückblickend auf die Situation vor 50 bis 10 Jahren, jener ungefähren Zeitspanne österreichischer Musik, aus der Brenk übrigens auch die Samples für sein kommendes Album „Chop Shop 2“ beziehen will. Nicht aus Sentimentalität, sondern aus Liebe zu den Mengen an verschütteter Qualität. Brenk samplet nicht bloß drauflos, er hat eine enge Beziehung zu den alten Platten, aus denen er seine Beats bezieht – daher auch „Supa Soul Sh*t“, das letztes Jahr erschienene Album von S3 (Brenk und der Soul-Veteran Miles Bonny aus Kansas City). Den Schritt vom Liebhaber und Fan zu dem, der die Geschichte der African American Music und auch der Austrian Music selbst mitschreibt, hat Brenk bereits vollzogen. Und das alles, ohne aus Kaisermühlen wegzuziehen.

 
 

Popfest Sessions

Talks, Vinylbörse und Live Showcases im Wien Museum Samstag und Sonntag, ab 11.00 bzw. ab 12:00 in Kooperation mit MICA Austria