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Mit seinem zweiten Solo-Album „Yol“ hat er vor zwei Jahren endlich all jenen die Ausrede entzogen, die ihn für „vergessen“ erklärt hatten.

BERNHARD SCHNUR & BAND

BERNHARD SCHNUR & BAND

Donnerstag, 25 Juli 01.00

Mit seinem zweiten Solo-Album „Yol“ hat er vor zwei Jahren endlich all jenen die Ausrede entzogen, die ihn für „vergessen“ erklärt hatten. Genau genommen ist es angesichts seiner 2008 mit „Avril“ begonnenen Solo-Phase schon ein bisschen daneben, Bernhard Schnur immer noch auf seine Vergangenheit als Frontmann der Neunziger-Band Snakkerdu Densk zu reduzieren. Schließlich geht mit der derzeit aktuellen Wiederentdeckung der obskuren Seiten der österreichischen Popgeschichte auch eine mittlerweile schon etwas irritierende Tendenz zur Verklärung einher, die die Gegenwart bisweilen zu überstrahlen droht. Trotzdem will gesagt sein: Die Neunzigerjahre sind nicht nur lange her, im diesbezüglich trägen Wien fielen sie auch immer noch aufnahmetechnisch in die traurig klingende Periode des frühdigitalen Dünnpfiffs. Einer der heimlichen Gründe für den Elektronik-Boom jener Zeit war nämlich, dass sich Gitarrenband-Platten mit einem halbwegs brauchbaren Sound in den Studios dieser Stadt so gut wie gar nicht aufnehmen ließen. Und deshalb kann auch der charmante Tonträger-Nachlass von Snakkerdu Denks nur einen Bruchteil der mitreißenden Dynamik vermitteln, die diese Band auf die Bühne brachte. Das müssen die Jüngeren den Älteren einfach glauben, wenn letztere ersteren Bernhard Schnur bzw. Snakkerdu Denks mit feuchten Augen als Live-Legende beschreiben. Aber wie gesagt, sein Ende letzten Jahrzehnts begonnener zweiter Frühling als Solokünstler (seit der EP „Canzoni d’Aprile“, 2011, mit Band) hat diesen polyglotten, endlos melodiebegabten Songschreiber mit der nasalen Charakterstimme, der aus seinem Beatles-Fantum verlässlich völlig andere Einflüsse zu extrahieren vermag als sämtliche Millionen anderer songschreibender Beatles-Fans sonst, wieder zur Gegenwartsfigur gemacht. Gut möglich, dass beim Popfest mehr Leute nach „Steam Engine One“ als nach der Snakkers’ „Pepperlike Springtime“ rufen werden. Für eine Reunion (einen Testlauf gab es immerhin bei der „Yol“-Plattenpräsentation) ist Schnur noch lange nicht müde genug.

 
 

Popfest Sessions

Talks, Vinylbörse und Live Showcases im Wien Museum Samstag und Sonntag, ab 11.00 bzw. ab 12:00 in Kooperation mit MICA Austria