Donnerstag, 25. Juli 2013 20.00

Bauchklang

Keine Frage, dass sie als internationale Live-Aushängeschilder des ebenso denk- wie tanzfreudigen Pop aus Österreich immer schon auf der Wunschliste des Popfest standen. Wenn nun im vierten Jahr des Fests mit Patrick Pulsinger der Produzent ihres letzten Albums „Akusmatik“ als Kurator fungiert, ist das ein unwiderstehlicher Anlass, uns diesen Wunsch zu erfüllen. In ihrer Arbeit mit dem Wiener Elektronik-Pionier hat das vormals in Dub, Hip Hop und Drum & Bass sozialisierte Vokal-Ensemble sich seinen Weg in Richtung eines zunehmend technoiden Club-Sounds fern aller althergebrachten Beat-Box-Klischees gebahnt. Die Ironie der Idee, mit dem humansten aller möglichen Instrumente, den vereinten Stimmbändern, allem Anschein nach „elektronische“ Musik zu machen, liegt natürlich auf der Hand. Aber Bauchklang sind kein Novelty Act. Was ihr puristisch Zugang verkörpert, ist vielmehr die leidenschaftliche Bejahung des Unauthentischen mit authentischen Mitteln. Und das ist im ständig neu zu führenden Ideologiekampf des Pop gegen den lähmenden Purismus auf der einen und den puren Zynismus auf der anderen Seite eine essentielle Leistung. A propos Idologiekampf: Dass sie in Richtung Club zielen, heißt nicht, dass Bauchklang ihre Neigung zur großen Botschaft bei der Garderobe abgegeben hätten. Man höre nur einen Track wie „Warning Bells“, der den Lebensentwurf der „corrupt leaders“ zu Ende gehen sieht, und zwar zugunsten einer neuen „kind of humanity“, die ihre Strahlen ausschickt. Ein wenig optimistisch vielleicht, aber aus der Perspektive von fünf Menschen, die mit ihren bloßen Stimmen jedes Festival-Publikum zum Tanzen bringen, muss wohl einiges möglich erscheinen.