GARDENS

Immer, wenn man glaubt, zur Genüge zu wissen, was Schlagzeug, Bass, zwei Gitarren und ein paar Keyboard-Lines auszurichten vermögen, kommt eine Band wie Gardens daher und zieht mit präzisem Einsatz von Reduktion und Eruption, Dosierung und Dynamik das unerwartete bisschen mehr aus dem Hut. Gardens‘ jüngste EP „The Biggest Dog You’ve Ever Seen“ ist voll von diesen magischen Momenten. Dass ihre Songs mehr Hooks haben als eine Turnsaalgarderobe, ist auch kein Schaden.
Ihr Debütalbum „Flaws“ von vor zwei Jahren (ein Titel, den man sich erst einmal leisten können muss) segelte eh schon nah an der Perfektion, aber jetzt prassen sie nur so mit Pop-Juwelen im Rock-Format wie „Good This Way“, „Talk“, „Mailbox“ oder „Thunderstealer“. Dessen Titel“held“ ist einer jener Typen, der der Frau neben ihm ihren Auftritt stiehlt, um sich selbst als ihr „knight in shining armour“ darzustellen. Er mache zwar eine Therapie, singt Luca Celine Müller in ihrer charakteristisch lakonischen Art, aber da gäbe es doch noch die eine „perfect truth“, die er partout nicht sehen wolle, nämlich: „It’s not me, it’s you.“
Lead-Gitarrist Peter Mathis, der ihre Gesangslinien bis dahin halb sekundiert, halb umspielt hat, packt darauf die Sorte Gitarrensolo mit Tapping-Einlage aus, mit der fönfrisierte Shredder in den Achtzigern kalifornische High-End-Produktionen zu veredeln pflegten. Man könnte direkt sagen, er stiehlt Müller ihren Donner wie der Thunderstealer selbst. Aber vermutlich ist das ja gerade der vertonte Witz. Diese Band, das hört man, wäre jedenfalls locker schlau genug dafür.
 
Foto © Julian Lee Harather