Eine der beharrlichsten Subkulturen des Pop ist die in den 1970ern in Nordengland verwurzelte Northern Soul-Szene, die gerade ihr x-tes Revival erlebt – und mit ihr ein Repertoire von Klassikern obskurer Floor Fillers, darunter ebenso beständig die „Glock’n“, gesungen von Marianne Mendt, 1970 geschrieben und arrangiert vom Jazzer Hans Salomon. Kein anderer Song der „Dialektwelle“, wie sie damals genannt wurde, hat in seiner Wahrnehmung so weite Kreise gezogen.
Der Sound, den Marianne Mendt damals produzierte, hatte wenig mit der radikalen jungen Hippie-Kultur gemein, aber umso mehr mit von angloamerikanischen Zeitgenoss:innen wie Dusty Springfield, The Four Tops, The Tokens berührten Schnittpunkten von Soul, Showtunes, Sunshine Pop und der avancierten Easy Listening-Sophistication von Burt Bacharach und Jimmy Webb – in Mendts Fall verbunden mit einer kaum verhohlenen Liebe zum Jazz. Nicht umsonst coverte sie auf ihrem Debüt-Album Blood, Sweat & Tears (aus „Spinning Wheel“ wurde „A g’scheckert’s Hutschpferd“) und Joe Zawinul (aus „Mercy Mercy Mercy“ wurde „I kann net lang mit dir bös sein“). Ihr zweites Album „Gute Lieder sind wie Pistolen“ („…denn sie schießen dich frei aus der Alltagskartei“, heißt es im Titelsong) platzierte sie im Kontext des zeitgenössischen Chansons. Doch was in Frankreich Respekt erhielt, fiel in Österreich zwischen die Stühle von Rock-Kultur und Schlager.
In (wenn auch nur diesbezüglich!) weniger dogmatischen Zeiten kommt Marianne Mendt heute zur ihr zustehenden Anerkennung als eine der Gründerstimmen der österreichischen Popkultur. Die seit ihrer Zeit als Bassistin und Sängerin der Band The Internationals tatsächlich „gewerkschaftlich geprüfte Vortragskünstlerin“ wurde letzten September 80, singt aber noch immer, unter mittlerweile jahrzehntelanger Missachtung des gesetzlichen Pensionsalters. Diesmal – es ist uns eine große Ehre – auf der Seebühne des Wiener Popfests.
Foto © www.jazzfoto.at
Tag 1 – Do 23 Juli – 18:30 Seebühne







