Fr 26/07 22.00

Wien Museum Oben

BEAKS

Wahrscheinlich sagt es was über unsere Zeit, wenn selbst die aufwühlendsten Zeilen im Ton der resignierten Apathie sprechgesungen werden. „How many lives do you reckon we got?“ fragt Beaks in der jüngsten Single „Dirty Girls“, so als wollte man wissen, wie viel Milch noch im Kühlschrank ist („Hafermilch?“, ja, whatever, macht euch euren Witz selbst). „Can you count all the hours you’ve been living in your head“, fragt Beaks weiter, „all the while I’m staring at the walls that I built myself.“ Dazu die post-Peter Hook-Bassline, das kreisende Lick der Chorus-Gitarre. Der schnellen Schritts durch die Straßen staksende Post-Everything-Beat. „How do dreams work? Will I wake up if I die?“

Die vier allerersten Zeilen im allerersten Song, den Beaks veröffentlichte („…I dropped the bottle“), waren: „I forgot my name / Everything just slipped away / I have my back turned on myself / I haven’t been the same since.“ Dann taucht ein Schatten hinter einem Auto auf, und die erste Person des Songs muss laufen. Vielleicht auch das ein Traum. Das ist Pop als vertonte human condition.

Laut Info-Text kommt Beaks „from a background in writing and poetry“, Worte würden gespielt „wie Instrumente, eingebettet in einen Sound, der minimalistisch, unangestrengt ist und über dich hinweg spült wie eine kühle Welle.“

Auf fm4.at schrieb Ko-Kuratorin Lisa Schneider: „Die Musik von Beaks ist vielleicht eh am allerbesten anzuhören, wenn sich manchmal in der Magengrube das Gefühl breit macht, dass man irgendwie im falschen Land lebt.“

Das klingt nicht nach der Prämisse des Popfest als positive Zelebrierung der Musik aus, um und in Wien, aber ganz exakt nach der Prämisse für viele der besten Musik, die dort gemacht wird (und wurde). Jeder*r, die*der Wien tatsächlich „bei Nacht gesehen“ hat, weiß: Die in „The unreliable narrator“ beschriebene „ghost town“ ist Wien. Der Sound deiner paranoiden Schritte auf seinen leeren Gehsteigen klingt wie ein potenzieller Song von Beaks.

Foto © Maša Stanić 

 
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