Es ist wert, festzuhalten: Die willkommene Rückkehr des Dialektlieds als Pop-Idiom in den letzten zwei Jahrzehnten hatte ein entscheidendes Problem: Sie war/ist fast durchgehend weiß und straight, viel weißer und straighter jedenfalls, als die Stadt selbst heute aussieht. Hoch an der Zeit, dass jemand wie Pete Prison IV alias VERETER daherkommt, um mit seiner Begleitband, den Woarmen Semmeln, das Genre in die Wiener Realität des 21. Jahrhunderts zu holen. Das verlangt auch eine Gegenansicht zu tradierten Idyllen, wie zum Beispiel im „Gürtelwalzer“, einer im heimeligen Dreivierteltakt abgelieferten Situationsbeschreibung vom ganz alltäglichen Rassismus einer ganz normalen Wiener Nacht aus queer-migrantischer Perspektive. „Und dann nehmen’s an fest, wenn ma ka Topfng’sicht hat / Und net Müller oder Mayr heißt oder Hildegard“, denn „jeder Fremda is z’vü, jeda Fremda a Fladerant“. Das ist eben ein Blick auf Wien, den der weiße Dialektsänger als unbehelligter Passant nicht kennt und nicht vermitteln kann. „Dann frag ich mich, wie lang wollts uns no sekkieren?“, singt VERETER am Ende des Songs, „Dann frag ich mich, wie lang schau ma zu?“ Eine gute Frage auch an alle Nicht-Betroffenen, deren Solidarität gefordert ist.
„Als Wienerkind der zweiten Generation“, steht im Info-Text zu lesen, „wurde der Liedermacher schon sehr früh mit stereotypen Anfeindungen konfrontiert. Entstanden sind Erzählungen über Pinguine und Toastbrote, Feuersalamander und Topfeng’sichter, Lieder über das Händchenhalten in Zeiten des Rassismus. Die poetischen Songs entwickeln einen gewaltigen Sog und erzeugen trotz ihrer Schwere ein Gefühl von Selbstermächtigung. Es ist eingängige Musik, die aus jener Notwendigkeit heraus entstanden ist, dass Fremdsein nicht nur Schmerz, sondern auch die Möglichkeit des Aufbegehrens und Zusammenhalts bedeutet. Selbst ein Fünkchen Hoffnung und Humor schwingt in VERETERs Musik immer irgendwo mit – und sie lässt einen nur schwer wieder los.“
Foto © Amela Ristić
Tag 2 – Fr 24 Juli – 01:00 TU Prechtlsaal







