TAMARA FLORES

Es gibt Künstler:innen, die probieren sich öffentlich aus, tasten sich versuchsweise vor zu ihrem Stil – von Release zu Release. Als Tamara Flores vor einem Jahr mit ihrer Debüt-Single „Mi Amor“ und dem dazugehörigen Video die Popwelt betrat, tat sie das bereits als the finished article, Perfektion in Produktion und Präsentation: Im roten Kleid, vielfach „geklont“ in verschiedenen Rollen, eine schlüssige Allegorie auf die Vielschichtigkeit ihrer Identität als auf Deutsch wie Spanisch singende, in Wien aufgewachsene Tochter einer mexikanischen Mutter.
Flores weiß sichtlich genau, was sie tut. Sie hat intensiv Musik und Tanz verschiedenster Genres studiert, aber auch in Buenos Aires auf den Straßen musiziert und überall Einflüsse absorbiert (sie nennt die mexikanische Künstlerin Natalia Lafourcade, die Katalanin Rosalia und die Argentinier Ca7riel & Paco Amoroso).
Ihr nächster logischer Schritt war „Chingola“, gedreht vor den bunten Fassaden des Dorfs Ataclán in den Bergen von Veracruz, Mexiko, wo ihre Mutter herkommt und ihre Großmutter immer noch lebt, ein paar Monate später gefolgt vom noch einen Deut aufwendigeren „Infinito“, gefilmt auf den Straßen der Wiener Innenstadt, umgeben von ihren Kolleginnen/Freundinnen aus der zeitgenössischen Tanz-Szene. Das alles eindrucksvoll umgesetzt unter der Regie ihres Freunds, des Videoregisseurs Rupert Höller, der schon Videos für Leute wie Foster the People oder Bibiza gemacht hat.
Man darf also schon auf Spektakuläres gefasst sein, wenn Tamara Flores beim Abschluss des Popfest-Eröffnungsabends ihre Show auf die Seebühne bringt.
 
Foto © Gilbert Nguyen