Manchmal braucht es einen konkreten Hinweis für die Begriffsstutzigen: Ja, das kleine Zitat aus „Lucky Number“ von New-Wave-Legende Lene Lovich am Ende von „mondsong“ ist eine nützliche Assoziation zur Beschreibung des lebhaften, sprunghaften Sounds von Rahel, in deren Bio so interessante, aber ambivalente Wörter wie „schrullig“ und „Dreampunk“ fallen. Die Band rund um ihren musikalischen Partner, Produzenten und Multiinstrumentalisten Raphael Krenn wirft sich dazu in einen herrlich scheppernden, zeitlosen Twee-Pop-Beat.
Allein, historische Bezüge sind nur begrenzt hilfreich, denn in KI-saturierten Zeiten scheint doch einfach alles zweifelhaft, „You are slowly getting yourself deep into scepticism“, und „sicher ist nur der Mond und der Stern, der vor deinem neuen Zimmer wohnt.“
Dein „neues“ Zimmer wohlgemerkt: Man spürt, die prekäre Welt, in der ein Zorn-Song wie „nicht mal nihilist“ spielt, ist immer in Bewegung, nicht nur die Welt vor dem Schlafwagen-Fenster, sondern auch die Gender-Identitäten der Menschen dahinter: „Alle haben vergessen, ob sie weiblich oder männlich waren“ („schaffner“). Wir sind ewig auf dem Weg zum nie ganz erreichten Sehnsuchtsort, denn wir alle wissen, das besungene „miniano“ gibt es nicht, und die Überfahrt dorthin wird „wild“, warnt Kapitänin RAHEL. Jenen Hit und Album-Titeltrack im Stil eines Mid-Century-Jukebox-Walzers bezeichnete RAHEL einmal als „Beruhigungslied für Erwachsene und Kinder in stürmischen Zeiten.“ Und tatsächlich ist da irgendwas dran an ihrer selbstbewussten Post-Post-Weimar-Exzentrik, das einem die Überzeugung gibt: Auch diesmal wird der Faschismus nicht gewinnen.
Foto © Merve Ceylan
Tag 2 – Fr 24 Juli – 19:45 Seebühne







