PURPLE

„When I was six I broke my arm, the dirt, it tasted like a charm“, heißt es im Song „WHEN I WAS SIX“ von PURPLE (denn sie LIEBEN Versalien), ehe ein Gewitter an Gitarren-, Bass-, Schlagzeug- und Was-sonst-noch-alles-Spuren auf uns hereinprasselt. Es gab eine Zeit, Anfang der Neunziger, da hätte man sich mit jemand wie Butch Vig, Alan Moulder oder Pat Collier auf Kosten eines Labels wie Sub Pop, Touch and Go oder Creation in einem viel zu teuren Studio zwischen London und L.A. einmieten müssen, um so einen Sound zu erzeugen. Das heißt, als junge Wiener Band hätte man eher bloß davon geträumt. PURPLE produzieren sowas heutzutage ganz selbstständig in den eigenen vier Wänden.
„I never thought a broken bone could weigh as much as this“, singt Noah Sarich (Vocals und Gitarre) in der zweiten Strophe desselben Songs, und kennen wir nicht alle das Gefühl? Gitarrist, Keyboarder und bandeigener Produzent Maxi Nagl erklärt in einem „production breakdown“-Video Spur um Spur des Tracks (124 sind’s), von dem es auch noch ein anderes, aus privaten Kindheitserinnerungen zusammengeschnittenes Video gibt. Ein guter Teil des Appeals dieser Band liegt überhaupt darin, wie viel sie von und über sich selbst preisgibt: Da sind die charmanten Wohnzimmer-Live-Sessions mit Bassistin Lisa Rocky Hegendorfer in weißen Socken und selbstgemalten Bildern an der Wand. Da sind die „offiziellen“ Videos in Handy-Ästhetik, die den spektakulären Rotschopf von Drummer Paul Peschke featuren. Allerorts fühlen sich überlebende Veteranen des späten 20. Jahrhunderts an Homemade-Slacker-Vibes wie Beck’s „Loser“ erinnert. PURPLE selbst sprechen von „alternativem Art-Pop mit Rock-Einflüssen und elektronischen Produktionsmitteln“, einer „klaren visuellen Sprache aus Sonnenbrillen, Mullets und kräftigen Farben“ und Musik als „erweitertem Raum zwischen Klang, Bild und Haltung.“ Gebt es doch zu, wir alle wären gern in dieser Band.
 
Foto © Fiona Imnitzer