In letzter Zeit hat Martin Klein auf sozialen Medien wieder einen seiner klassischen Posts abgesetzt: Über sein musizierendes Ich, das schon wieder in Alleinarbeit ein neues Album produziert habe. „Mit Abstand meine beste und zwingendste künstlerische Arbeit bis jetzt“, schrieb der Martl, wie er sich in diesen Posts oft nennt, so als sähe er sich von außen, „Ich hab schon so viele Alben auf meiner Festplatte verrotten lassen, weil ich mir zu viel Käse einreden hab lassen. Du musst auf dies oder jenes warten. Das ist zu experimentell. Usw.“ Eine Lektion, die er gelernt hat, ist, sich auf sein eigenes Urteil zu verlassen.
Voriges Jahr, da hat er auch schon solche Dinge geschrieben. Da ging es um „A Musician’s Life“, das Album, das dann von der Welt da draußen als „kleines Meisterwerk“ (Der Standard) gelobt wurde. Und als „wunderbar versponnener Irrsinn“ (der Programmschreiber in seiner FM4-Sendung).
Klein, der Pianist, Sänger, Songwriter und Schlagzeuger hatte in seinem vom Albumtitel referenzierten Musikerleben schon so manche beachtete Werke hervorgebracht, von „Songs for My Piano“ über den Achtungserfolg „Lass uns bleiben“, das mit Erwartungen brechende, elektronische „Tracks for my Keyboards“, „Das Leben hat’s doch gut mit uns gemeint“ und das Band-Album „Nachtlieder“ bis zu diesem Wurf, einem Album, in dem der (immer noch) junge Bill Fay von Wien Mut zum Falsett, offenen Songstrukturen, gewissen rhythmischen Grobheiten und instrumentalen Experimenten zeigte. Einem Anflug von künstlerischer Willkür und Selbstsabotage. In Zeiten der KI-assistierten Hyperperfektion ist es genau das, wonach das Ohr sich sehnt.
Kein Zweifel, Klein hat, wie es der Ko-Kurator Wolfgang Lehmann sagt, „gerade einen Lauf“, und man darf sich diesmal nebst bereits gehörten und geliebten Songs auch auf ein paar neue freuen. Seine „zwingendste künstlerische Arbeit bis jetzt“? Kein Grund, Martin Klein das nicht zu glauben.
Foto © Pamela Russmann
Tag 4 – So 26 Juli – 22:00 Karlskirche







