Wir leben in der Zeit nach der verhängnisvollen, mit aller Macht des Tech-Kapitals durchgesetzten Entscheidung, die Zukunft einer Technologie (KI) zu überlassen, die sich einzig aus dem Wiederkäuen des Vergangenen nährt. Experimentelle elektronische Musik, so lange logisch assoziiert mit der digitalen Zukunft, sieht sich mit einem Schlag in eine ungewohnte defensive Rolle gedrängt. Nicht nur deshalb klingt die menschliche Kreativität im Sound von House of Skin wie eine Botschaft aus dem Bunker eines Dissidenten.
Jener heißt Clemens Posch, und er entwirft unter diesem Pseudonym Tracks wie „U-Turn“, laut Info-Text konstruiert aus dem gefilterten und gepitchten Signal eines einzelnen Schlags mit einem Schlagzeugbesen. Oder „Most heartless Grave“, die Beschwörung des durch die Festplatte spukenden Geists verlorener Dateien. Oder „Clé from 5 to 7“, offenbar eine Hommage an den Film „Cléo de 5 à 7“ von Agnes Varda. In der Bearbeitung analoger Instrumental-Samples verlässt Posch bedenkenlos den Rahmen des Abstrakten, siehe die Saxophon-Linien in „Never Quite“, die mutmaßlichen Cello- und Gitarrensounds in „Light of all Light“, und doch kommt es überraschend, wenn sich die Stimme des Menschenwesens selbst zu Wort meldet. Zum Beispiel in „Stretchin’“, das klingt wie der Soundtrack zu Fitnessübungen eines in Einzelhaft Gefangenen, der sich vor dem Abgleiten in den Wahnsinn retten will – alles sehr passend zu unserer derzeitigen Erlebniswelt.
Foto © Marvin Kanas
Tag 2 – Fr 24 Juli – 18:00 Ping Pong Floor







