Der jahrzehntelange Skandal, dass The Artist Formerly Known as Gran (mit post-bayerisch gerolltem „r“) noch nie beim Popfest Wien gespielt hat, findet bei dessen siebzehnter Ausgabe sein Ende. Auf den Playlists des (Wahl-)Wiener Kultur-Prekariats, das sich schon lang keine Platten mehr leisten kann, gelten Florian Tremmels Elektro-Punk-Pop-Dub-Alben „Gran Bankrott“ (2019) und „Die Singles“ (2023) dank tanzbarer Hits wie „Bankrott“, „Kapital Egal“ oder „Tanzbein“ als geteilte Objekte der Sehnsucht.
Rechtzeitig zum Popfest wird nun ein neues namens „Schere“ bei Wilhelm Show Me The Major Label erscheinen – in erschwinglicher Form als Tape. Dabei präsentiert der Ex-Einzel-Lebenskünstler Gran Bankrott sich zum ersten Mal auf Tonträger mit Peter Lazarus (sonst u. a. Radiateur), Manu Mascara (Good Cop) und Kate Kristal (Kristy and the Kracks) als (laut Info) „eine Punkband, die Genregrenzen zerschneidet.“
Darin blitzt auch wieder jener Witz durch, der schon das unironisch düstere Sentiment hinter GB-Songs wie „Nichts hilft“ („Es geht mir so schlecht wie nie!“) vor dem Abdriften in die Selbstgerechtigkeit bewahrt hat. Gran Bankrott ist einer bzw. eine Band, der/die die Politik ihrer Prä- bis Post-Punk-Geschichte genau kennt, versteht, hochhält und wissend zitiert. Aber nicht als Dogma und nicht als Hommage, sondern als gewitzte Abwandlung. In diesem Sinne, via Rio Reiser selig: „Gran Bankrott macht bankrott, was euch bankrott macht.“
Foto © Berivan Sayici
(Licht: Dominik-Danner & Bildbearbeitung: Siegfried Füreder)
Tag 2 – Fr 24 Juli – 02:00 TU Prechtlsaal







