BULL NAKANO

Wolken von Feedback und bedrohliches Beckenzischen sowie das Blitzen vorm Gewitter. Dazwischen meldet sich die gesampelte Stimme eines Wrestling-Moderators: „Bull Nakano means Business!“, und Gitarristin Anna wirft ein Riff an, das quasi dasselbe auf der Gitarre sagt, ehe Drummer Fazo, Bassistin Eunice und schließlich Gitarrist Dimitri die Ansage aufs Heftigste komplementieren. „Let’s go!“, deklamiert darüber Sängerin Tabita, und Bull Nakano legen los.
So beginnt „Hard to deal with“, der erste Song der Debüt-EP mit dem prosaischen Titel „Demo Tape“, auf der die Band in zeiteffizienter Hardcore-Manier 6 Songs in rund 13 Minuten abfertigt – alle davon gerichtet an eine zweite Person, in deren Schuhen man lieber nicht stecken möchte: „I crush your ego under my shiny boots“, heißt es etwa in „One of us“, „You’ll cry for mommy when I fuck you up.“ Aber ein Song wie „Your Hug is Crushing Me“ stellt klar: Hier geht’s um eine Form der Gegenwehr gegen (misogyne) Gewalt. So ist das also gemeint, wenn im Pressetext steht, Bull Nakano hätten „einen Nerv getroffen.“
Ihren Namen haben sie sich von einer legendären japanischen Wrestlerin geborgt, deren Finishing Move, der „Bull’s Poseidon“, die Konkurrentinnen in den 1980ern und 90ern in Angst und Schrecken versetzte. Auf ihre Musik umgelegt bedeutet das einen Sound, der (wieder laut Pressetext) „sowohl alteingesessene Hardcore-Traditionalist:innen als auch Nicht-Genre-Fans auf den Dancefloor wie Kühe auf die Alm „treibt“ und „ihre Live-Shows zu einem ekstatischen Erlebnis“ macht.
 
Foto © Markus Pawlata