BON JOUR

Irgendwo unter Palmen, wo im Venn-Diagramm der positivistischen Popmusik die von den Lichtblitzen des Mirrorball gescheckte Schnittfläche aus Yacht Rock, Soul und Latin liegt, begrüßt diese Band uns und einander mit einem ganz herzlichen „Bon Jour“.
Es ist ein Wiedersehen, denn man kennt sie alle schon von woanders her: Giovanna und Mario Fartacek von Mynth, erstere solo als Berglind, zweiterer als farmar, dazu Dominic Muhrer, 2015 als Frontmann der Makemakes Eurovision-erprobt bzw. eine Hälfte von Loveboat, Singer-Songwriterin Amelie Tobien, sowie Drummer Julian Pieber, der sonst wiederum mit erstgenanntem Mario Fartacek bei der Grazer Gitarrenpop-Band Good Wilson spielt.
Womit sich also zusammenfindet, was einige schon zu Recht eine „Supergroup“ genannt haben. Solche pflegen sonst zwar oft zu enttäuschen, reduzieren Reibungen rampenlichtverwöhnter Egos doch gern die Gruppenenergie, aber bei Bon Jour ist das genaue Gegenteil davon zu beobachten: Auf ihrer jüngsten EP „How Long Forever“ hat sich die als Duo gegründete Band zu einem vorwiegend in Chören kommunizierenden, egalitären Kollektiv entwickelt. In der spektralen Vielfalt ihrer jeweils einfärbigen Outfits senden Bon Jour leichtfertige Beats als Einladung ans Publikum, sich über die derzeitige Verfasstheit der Welt federnden Schritts hinwegzusetzen. „Call me down a rabbit hole to lose myself inside a fever dream“, wie es im Titelsong der EP heißt, „I wanna fall and feel it all / Can’t believe it’s real.“ Muss ja auch nicht immer alles real sein, Musik ist das ideale Eskapismusmedium, und Bon Jour drücken auf ihrer Fernbedienung all die richtigen Tasten.
 
Foto © Paul Vincenth Schütz