ANNA BUCHEGGER

Das Älplerische, es hat einen reaktionären Ruf, aber was können die (an sich doch schönen) Berge für die mit ihnen assoziierte Engstirnigkeit? Anna Bucheggers Lesart von Pop greift sich das ländliche Klischee und subvertiert es auf campe Art. Zum Beispiel, indem sie die Tonalität des Jodelns ihren zeitgenössischen Popsongs gemäß zurechtbiegt und in ihrem Auftreten die gegenderten Konventionen der Tracht verdreht. Ihr jüngstes Album heißt „Soiz“, nicht nur, weil sie aus Salzburg kommt, sondern: „Soiz auf da Haut reibt oide Wunden auf“, und davor hat sie sichtlich keine Angst.
In „Maria“ zum Beispiel entreißt Buchegger das Gedenken an die Matriarchin der Trapp-Familie Maria Augusta, die nach dem „Anschluss“ 1938 samt Kindern und Kaplan vor den Nazis in die USA floh, dem gesäuberten Musical-Narrativ. In „Teppich“ wiederum verpackt sie ihre Bestandsaufnahme der Polarisierung unserer Politik und Gesellschaft in eine Schifahr-Metapher: „Ois is schwoaz oder weiß, dazwischen gibt’s nix mehr wos bleibt, es geht bergåb und ois foaht schuss, dass de Sicht schlecht is, is jed’m wurscht.“ Die Alpen als Schauplatz und Herkunftsort werden nicht verleugnet, sondern ihr Idyll überzeichnet, wie etwa im sichtbar an Wes Anderson angelehnten Video von „Kim vorbei“ aus dem Vorgängeralbum „Windschatten“.
„Meine Musik ist für eine offene, tolerante Community gemacht“, sagt Anna Buchegger. Da ist sie auf dem Popfest bestens aufgehoben.
 
Foto © Anna Hadaier