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Vordergründig ist das kein musikalisches Kriterium, aber wenn man will, lässt sich dieses „die Welt durch eine Linse sehen“, die drüber stehende Distanz, sehr gut in Fontarrians Sound hineinlesen

Fontarrian (c) Zanshin

Fontarrian

Samstag, 26 Juli 2014 00.00

Wie der Grazer Marlon T.L. Fink alias Fontarrian in einem Interview mit The Gap preisgab, hat er eine zeitlang unter anderem als Vice-Fotograf die Club-Szene „aus der Sicht eines voyeuristischen, nicht-wirklich-teilnehmenden Teilnehmers am Partygeschehen“ wahrgenommen. Vordergründig ist das kein musikalisches Kriterium, aber wenn man will, lässt sich dieses „die Welt durch eine Linse sehen“, die drüber stehende Distanz, sehr gut in Fontarrians Sound hineinlesen.

Genauer gesagt ist es eine nicht-involvierte, fast abgeklärte Äquidistanz, wie sie auch die De:Bug (selig) in ihrer Rezension über sein beim Berliner Antime-Label erschienene Album „vlv“ beschrieb: „Oft genug verzichtet das Album scheinbar auf Beats, legt die Hintergründe in den Vordergrund. Nicht weil es darum ginge, das Nebensächliche zu thematisieren, sondern weil es einfach keine üblichen Betonungen zwischen Groove, Sounds, Sequenzen und Melodien gibt. Alles findet in dieser Gleichwertigkeit statt.“
Alleinstehende R&B-Vocals werden harmonisch dekontextualisiert, bis sie tonal fast schon fernöstlich, in ihrer Reverb- und Delay-getränkten Grundstimmung jedenfalls zutiefst melancholisch anmuten. Man wird den Eindruck nicht los, dass da auch eine gewisse Entfremdung abgebildet wird, nicht zuletzt, wenn man Fink, der neben Cheever und M.A.R.S ein Drittel des Grazer RDMH-Kollektivs ausmacht (und mit ersterem das Projekt Purple Kaddish betreibt), in einem Interview mit The Gap über die „Tristesse“ der steirischen Hauptstadt klagen liest: „Graz ist trist momentan. Kürzungen im Kulturbudget und eine hart sanktionierende, erzkonservative politische Linie wären nur zweierlei Aspekte einer Stadtpolitik, die es sich anscheinend zum Ziel gemacht hat, die in den 80ern proklamierte ‚Pensionopolis‘ so gut es geht aufrecht zu erhalten. Andererseits sind diese Restriktionen ebenso Nährboden für die Bildung kreativer Netzwerke und Strukturen abseits vorgegebener Pfade.“ Sehr klug gesprochen.

„>fontarrian – now u talkin‘ change, huh? from Nolram Kniff on Vimeo.

 
 

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