Menu
 

Intros

Unser aktueller Pressetext sagt das: Vom 26. bis 29. Juli wird das bereits neunte Popfest Wien als große, kuratierte Zusammenschau neuer heimischer Popszenen am Wiener Karlsplatz über die Bühne gehen. Das dezidierte Publikumsfestival lädt an vier Tagen und Nächten erneut zu einer musikalischen Entdeckungsreise. An die 60 ausgewählte heimische Musikprojekte wird es live bei freiem Eintritt zu erleben geben.

Ein kurzer Blick zurück zu den Anfängen des Popfests sei an dieser Stelle gestattet. Im Jahr 2010 ging es darum, positive Entwicklungsmöglichkeiten des Areals oder der „Gegend Karlsplatz“ auszuloten, Ideen zu entwickeln. Das erste Popfest wurde zubereitet als herzliche, großangelegte Einladung an die vielfältigen heimischen Pop-Szenen und ihre Künstlerinnen und Künstler sowie an ein neugieriges und offenes Stadtpublikum. Die Botschaft hat gelautet: Kommt am Karlsplatz!

Seither ist einiges passiert. Viele sind gekommen, nicht nur wenn gerade Popfestzeit ist. Der Karlsplatz ist heute schöner, er ist bei den Menschen beliebter geworden. Das Ergebnis einer kulturellen Stadtteilarbeit, ein sehr sichtbarer Teil davon steht jährlich mit dem Popfest in der Auslage.
Gleichzeitig gehen die Ansprüche des Popfests von Beginn an über kurzfristig gedachte, reine Arealbelebung weit hinaus. Das bestmögliche Programm für dieses Festival war stets das Ziel, viele großartige und kompetente Menschen haben bisher daran gearbeitet.
Dieses Jahr präsentieren die Journalistin Katharina Seidler und der Musikant Nino Mandl ihr beherztes und unermüdlich gebasteltes Programm. Vielen Dank Kathi und Nino!

Dankesworte gehen an die Stadt Wien für die Ermöglichung, das BKA, die Wiener Städtische Versicherung und an die AK Wien für die wichtige Unterstützung. Ganz besonders bedanken wir uns bei allen auftretenden KünstlerInnen, allen MitarbeiterInnen und Supportern, den zahlreichen Partnern und unserem geschätzten Publikum.

Christoph Möderndorfer
Popfest Wien

 

 

Das ist Musik, das ist besser als mein Lieblingslied.” (Clemens Denk)

Zwei Menschen mögen Musik und sprechen darüber. Sie schreiben nächtelang Listen aus ewigen Lieblingsbands oder lang vermissten Heldinnen, geliebten Ohrwürmern, diffusen Ahnungen, nächtlichen Einflüsterungen, aufgeschnappten Prophezeiungen, eigenen Bauchgefühlen. Was heißt das: Verantwortung für ein Programm? Wie geht der Mechanismus hinter: Geschmack?

Im Ansatz bedeutete das Kuratieren bei uns nicht, ein Lineup von zwei getrennten Positionen aus zu planen und sich dann via Schnittmengen, Reibungsflächen, Synergien in eine gemeinsame Mitte zu hanteln. Auch das ist passiert. Man entwickelt Methoden, sammelt alle Hilfsmittel zur Entscheidungsfindung, frische Alben, neue Namen, lang nicht gehörte Musik. Je engere Ringe man beim Umkreisen der Listen zieht, umso mehr zeigt sich aber, dass die klarsten Ideen die sind, bei denen das Obenstehende gar nicht unbedingt zur Anwendung kommen muss. Die Frage, um die es geht, ist nämlich im Grunde ganz einfach: Ich spür da was, spürst du es auch?

Es wird laut, es wird zart. Es wird lau und hart und sanft. Bunt und arg, bestimmt nicht fad. Aber auch einfach nur schön. Die Musik muss berühren, du musst sie spüren.

Wir haben uns alles angehört und erkannt, dass es so vieles gibt — nicht, dass wir das nicht schon geahnt hätten. Es ist hart, aus all dem vielen Ganzen ein eigenes kleineres Ganzes zu machen, im Rahmen von vier Tagen und ein paar Bühnen.

Wir waren in den Beisln, wir waren in den Hallen. In den Theatern und Clubs. Wir haben der Musik zugehört, der Performance zugeschaut und uns auf die Künstler eingelassen. Wir haben geredet, geschrieben. Sind Freunde geworden. Aber es geht nicht um uns, es geht um die Kunst. Wir haben gesucht, gefunden.

An 361 Tagen im Jahr ist kein Popfest, und an jedem einzelnen davon kann man in der Stadt Künstlerinnen und Künstler erleben, die ihr Herz in den Ring werfen. In Schlafzimmern, Proberäumen und Studios, in Clubs und Bars, auf U-Bahn-Vorplätzen und Open Air-Bühnen spielen sie ihren Soundtrack.

Die neue Wiener Schule, Hip Hop, Lyrik, Elektronik in verschiedenen Farben, Experimente in viele Richtungen — alles ist, wenn es stark ist: Rock’n‘roll. Oder Pop. Wenn dir das Wort lieber ist, weil es kürzer ist.

Wir haben auf unsere Herzen gehört. Manche Bands, Künstlerinnen oder Künstler sind noch nicht so berühmt wie sie vielleicht noch werden. Andere sind schon länger dabei und bekannt im ganzen Land. Klar ist: Alle sind die Hauptacts, jeder einzelne Act. Egal ob um 20:00 auf der Seebühne oder um 2 Uhr Früh im Prechtlsaal. Das Popfest ist ein Angebot. Ein Versuch, zu verführen. Eine Chance, zu entdecken.

Ein Schwerpunkt im Programm widmet sich der Erforschung der Schnittstellen zwischen Lyrik und Lyrics. Wieviel Gewicht hat ein Wort in einem Song, wieviel Unterschied machen Betonung, Melodie und Intonation, was passiert, wenn man dazu einen Akkord anschlägt oder seine Buchstaben durch ein Effektgerät schickt?

Im Rahmen einer eigenen Lyrik-Stage, die gleichwohl als Speaker’s Corner gerade das Hoch-Schwellige einer Bühne vermeidet, horcht das Popfest 2018 an der Kippe von Text und Songtext genauer hin.

Davor, danach und dazwischen gibt es großen Pop und ebensolche Gefühle, virtuose Fingerfertigkeiten und furchtlose DIY-Positionen, klassische Streicher und deren Verfremdung, Unterwassermusik, Walls of Sound und Sommerhits, wohliges Rauschen, dicke Hosen und schüchterne Lippenbekenntnisse. Und einen Überraschungs-Act. Zwei Menschen hören ein Lied und spüren es beide.

Vielleicht wird man sich verlieben, vielleicht auch mal verlieren. Wichtig ist Respekt. Respekt für die Liebe aller Acts. Dann hat man schon gewonnen.
Wir wollen allen Bands sagen: Das ist Pop. Das ist euer Fest. Wir glauben fest daran.

Nino & Katharina
Kuratoren

 
 

Popfest Sessions

Talks, Vinylbörse und Live Showcases im Wien Museum Samstag und Sonntag, ab 11.00 bzw. ab 12:00 in Kooperation mit MICA Austria