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Intros

Es gibt unzählige Popfestivals auf der Welt, doch die wenigsten finden mitten im Herzen einer pulsierenden Kultur-Metropole statt. Und dank einer lebendigen und vielseitigen Szene erfährt der Puls dieses urbanen Herzens hier mit rund 60 Konzerten eine ordentliche Steigerung.

In diesem Sinne: Willkommen beim 8. Popfest Wien!

Kulturstadtrat Andreas Mailath Pokorny

 

Die achte Auflage des Popfests steht bevor, die Karten sind neu gemischt. Ein neues KuratorInnenteam hat einen durchaus ungewöhnlichen und beeindruckenden Spagat in der Programmgestaltung zuwege gebracht: Ana Threat, Musikerin und Medienwissenschafterin, die sich selbst gern als Erforscherin von Nischen und doppelten Böden lokaler do-it-yourself Szenen bezeichnet, hat an den Rändern des heimischen Pop gestöbert, eine höchstmögliche Diversität im Fokus, während der langjährige Pop-Experte und Musikscout Eberhard Forcher (Austrozone, Ö3) aus seinem übergroßen,  breit aufgestellten Fundus geschöpft hat. Und dann haben sich beide auch noch produktiv abgestimmt und sind zu diesem gemeinsamen Ergebnis gekommen, welches Auftritte von salute bis Bluatschink, von Klitclique bis Onk Lou, von Joe Traxler bis Tav Falco’s Panther Burns auf –ja- ein und dem selben Festival sinnstiftend möglich macht – Chapeau!

Mit ein wenig Bedauern vermissen wir dieses Jahr das brut-Theater als Spielstätte, dort wird erst einmal gebaut und saniert, die Technische Universität hat uns heuer dankenswerterweise sehr stilsicher ausgeholfen und ihren historischen Kuppelsaal für zwei besondere Abende zur Verfügung gestellt, u.a. wird dort Gustav mit der Proloband Lieder aus der Proletenpassion aufführen und Mira Lu Kovacs im Verbund mit Kompost 3 als neue Supergroup 5K HD ihre Premiere geben.

Insgesamt ist das Programm mit an die 60 Live-Acts fast noch üppiger als gewohnt ausgefallen, ein kleiner Geheimtipp an dieser Stelle: Die nachmittags stattfindenden Popfest-Sessions im Wien Museum bringen hochkarätig besetzte Talks, u.a. am Samstag „Es geht immer ums vollenden – Das Wort im Pop“ mit Teresa Präauer, Markus Binder, Tex Rubinowitz, Christopher Just, Andreas Spechtl und Rana Farahani. Am Sonntag präsentiert dann das Wien Museum mit den KuratorInnen Michaela Lindinger, Thomas Mießgang und Walter Gröbchen erstmals ihre im Herbst startende Großausstellung „Ganz Wien – eine Pop-Tour“ – Schauen Sie sich das an!

Das Popfest Wien dankt der Stadt Wien für die Ermöglichung, dem BKA, der Wiener Städtischen Versicherung und erstmals der AK Wien für die wichtige Unterstützung. Ganz besonders bedanken wir uns bei allen auftretenden KünstlerInnen, allen MitarbeiterInnen und Supportern, den zahlreichen Partnern und unserem fantastischen Publikum.

Viel Vergnügen!

Christoph Möderndorfer

Festivalleiter

 

Im achten Jahr seines Bestehens ist das Popfest nicht mehr neu. Publikum, Performers und Presse verstehen die vier Tage im Sommer am Karlsplatz als einen der wichtigsten heimischen Showcases für qualitativ hochwertige Popmusik aus Österreich: mit etablierten genauso wie ganz frischen Acts, mit einer stilistischen Bandbreite, die Garagenpunk und experimentelle Elektronik genauso verträgt wie Hip Hop, Neo-Austropop und Indie-Rock, mit einer bemerkenswert engen Anbindung an die Innenstadt (und damit einhergehend: mit enormer Sichtbarkeit), mit 60 000 BesucherInnen– und das alles äußerst niederschwellig, ohne exklusivistisches Gatekeeper-Getue, dafür aber bei freiem Eintritt. Dies wird auch dieses Jahr so bleiben.

Neu im Jahr 2017 ist allerdings die äußerst vielversprechende Potentialität, die sich aus unserer jeweils sehr unterschiedliche Positionierung als KuratorInnen ergibt: während Eberhard als Radio-DJ und ORF-Musikscout bestens mit international und breit orientierten österreichischen Popacts vertraut ist, liegt der Fokus von Ana auf der Erforschung von Nischen und doppelten Böden lokaler do-it-yourself-Szenen. Das Zusammenspannen dieser vermeintlichen Extreme mag vielen als gewagt erscheinen – uns selbst ging es jedenfalls anfangs so. Immerhin ergab sich sofort ein ganzer Katalog von wichtigen Fragen: würde sich die Kluft zwischen unseren musikalischen Zugängen dergestalt überbrücken lassen, dass das Ergebnis dann auch tatsächlich einen nachvollziehbaren Sinn ergibt? Schaffen wir es, ein Programm über die Erwartungshaltungen der Stammklientele hinaus zu erstellen? Wie und wo gelingt es, Irritation in positive Emotion umzupolen? Darf sich Underground so ungeniert am Mainstream reiben, dass dabei gerade dort der Funke überspringt, wo man am wenigsten damit gerechnet hätte? Wie lassen sich die internationalen Erfolge heimischer KünstlerInnen auch in einem begrenzt budgetierten Festival widerspiegeln? Wie lässt sich die Hauptbühne entsprechend den technischen Vorgaben so bespielen, dass die Musik tatsächlich auch richtig greift? Wie erreicht man weiterhin eine besonders hohe soziale Diversität für das Popfest, vor allem in Bezug auf die Performers, aber auch, was das Publikum betrifft? Je mehr wir darüber diskutierten, desto deutlicher wurde uns, dass diese Fragen keinen Grund darstellten, nicht zusammenzuarbeiten, sondern dass sie vielmehr genau jene Herausforderung an uns herantragen würden, anhand derer es möglich sein würde, ein spannendes und ungewöhnliches Popfest zu verwirklichen. 2017, waren wir uns einig, würden wir uns mit dem Abbau von Grenzen beschäftigen.

Wir haben uns dieser Aufgabe gemeinsam gestellt, haben bisher viel voneinander gelernt und uns über jeden neuen Act, der uns beide gleichermaßen zum Schwärmen bringt, gefreut. Das waren unterm Strich überraschend viele (wie z.B. Mono & Nikitaman, Ankathie Koi, Buenoventura, salute, Der Nino Aus Wien, …). Bei einigen wenigen Künstlern aus den Randzonen des jeweiligen „Zuständigkeitsbereichs“ gab es logischerweise nicht immer dasselbe Euphorielevel, aber jeweils umso mehr Vertrauen in die Einschätzungskompetenz des/der anderen. So gesehen haben wir mit viel Zuversicht und Freude an einem Popfest-Programm gearbeitet, das neben möglichst grenzüberschreitender Begeisterung besonders viel Wärme durch Reibung erzeugen soll/wird: Es wird spannend sein herauszufinden, wie sich z.B. der lautstarke Buben-Rock von KFJ im Kontrast zur leichtfüßigen Weltmusik-Folklore von TINI TRAMPLER behaupten wird, wie sich der ibizabewährte House-Sound der Wiener Club-Helden MÖWE mit der jazzig-filigranen Pop-Elektronik von SOIA verträgt, inwieweit es z.B. den Tiroler Dialekt Veteranen BLUATSCHINK gelingen wird, die möglicherweise vorhandene Skepsis auf Seiten der Hipster Fraktion im Publikum mit Spielwitz und musikalischer Lebensfreude zu überwinden, wie sich mit La Sabotage über Bruch bis zu Tav Falco die große Diversität in der Genealogie von Rock’n’Roll aus der Garage aufspannt, inwiefern sich der avantgardistische Ansatz von 5K HD auch über eventuelle Berührungsängste hinwegsetzen wird, wie im queer-feministischen Kontext aktive Acts wie Klitclique, FAUNA und Femme DMC die Geschlechterrollenzuschreibung im traditionellen Festivalbetrieb auf den Kopf stellen zu vermögen, und sich so letztendlich eine neue ZuhörerInnenschaft jenseits der Zielgruppe erschließen lässt.

Ana Threat und Eberhard Forcher
KuratorInnen

 
 

Popfest Sessions

Talks, Vinylbörse und Live Showcases im Wien Museum Samstag und Sonntag, ab 11.00 bzw. ab 12:00 in Kooperation mit MICA Austria