Kenji Araki

Spätestens seit seinem im Juni bei Affine erschienenen Magnum Opus „Leidenzwang“ verbreitet sich die aufgeregte Kunde von den monumentalen Klangnarrativen, die dieser in der österreichischen Provinz mit japanischen Wurzeln aufgewachsene digitale Künstler in seinen teil-abstrakten Stücken zu spinnen weiß. Stücke mit Namen wie „Nabelschnurtanz“ oder „Gel & Gewalt“ erinnern von ihrem rastlosen dramaturgischen Aufbau her nicht zufällig an schnitt- und animationsintensive, dystopische Sci Fi-Filmsequenzen. Genau darin – nicht etwa in gängigen Hooklines oder Wiederholungen – besteht letztlich auch ihr spektakulärer Pop-Appeal. Live wird Arakis nach der Überschreitung von Mediengrenzen verlangende Musik schlüssigerweise von psychedelischer Body Horror- und Anime-Bildsprache visuell begleitet.

Dabei klingen seine jugendlichen Neigungen zu Metal und der düsteren Seite des Dubstep gleichermaßen durch, man darf Burial erwähnen, Beats werden radikal fragmentiert, dicht prozessierte und hochgepitchte Vocal-Flächen fliegen wie semitransparente Scherben durchs Bild. „Die menschliche Stimme ist und bleibt mein Lieblingsinstrument“ sagt Kenji Araki im Interview mit Didi Neidhardt auf der Mica-Website, „Sie ist für mich der komplexeste, ausdruckstärkste Synthesizer aller Zeiten. Ihre zeit- und frequenzbasierten Modulationsmöglichkeiten sind sehr breit gefächert. Zudem kommt natürlich die empathische Komponente. Wenn man hauptsächlich elektronisch arbeitet, finde ich es wichtig, einen Hauch Menschlichkeit durchscheinen zu lassen.“

Text: RR / Foto © David Prokop

 
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