Abu Gabi

Genau genommen hält sich ja alles, was am Pop interessant ist, im Grenzgebiet zwischen Musik, Performance und Medienkunst auf, aber im Fall von Tanja Fuchs alias Abu Gabi kommen die Sounds von der anderen Seite des Zauns her ins Klangbild geweht.

In „Painting The Apocalypse“ und „All We Share is Our Bodies anda Well Meaning Heart“, jenen zwei Stücken ihres Schaffens, die auf kommerziellen Streaming-Plattformen zu finden sind, ist es ihre flüsternde Stimme, die das Ohr über dicht verwobenen Sound-Texturen begleitet: „It makes me weaker on my feet, crumbling in the mouth of a void. Can I get wet? Can I get wet from the rain?“

Die in Wien geborene Komponist*in, DJ und Kurator*in ist eine progressive Kraft zwischen Noise und radikalen Bass-Schwingungen, „itching in pop and club cultural stigmata“, wie es ebenso unübersetzbar wie nachfühlbar in ihrem englischen Info-Text heißt.

Was da sonst noch steht: Abu Gabi hat in Salzburg Musikproduktion, in Istanbul Musik und Performance und in Linz Zeitbasierte Medienkunst studiert, kommt vom Anarcho-Pop und der Improv-Szene, sieht sich als aktivistische Solokünstler*in, ist eine Hälfte des Duos DVRST, komponiert für Theater, Performance und Film, arbeitet aber auch als Autor*in, Lektor*in und Kurator*in. Sie ist involviert in die Eventserie Struma+Iodine (Veranstaltungen im Werk, Venster99, Rhiz, Fluc Wanne), das jährliche Unsafe+Sounds Festival und das Label Ventil Records, immer „angetrieben von [der Suche nach] dem Intensiven und dem scheinbar Inkompatiblen.“ Mit dieser Mission ist Abu Gabi dieses Jahr auf der Bühne im Prechtlsaal genauso gut aufgehoben wie sonst etwa beim Klangfestival, der Ars Electronica oder dem OK Klubinstitut.

Text: RR / Foto © Philippe Gerlach

 
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