DIVES

Der Form nach ist eine der besten Popbands in diesem Land ein Rock-Trio: Tamara Leichtfried (Gitarre), Viktoria Kirner (Bass) und Dora de Goederen (Drums) sind Dives, ihre Attitüde lässt an Sleater-Kinney denken, ihr Sound eher an die Go-Gos, dann wieder an die Breeders, zuzüglich einer Tendenz zum Surf-Beat im Gitarrensound, der einmal glitzert wie die kalifornische Sonne auf den Technicolor-Pazifik-Wellen, dann wieder in grobkörning schwarzweiß wie der patzig feuchte Schnee im winterlichen Manchester, fotografiert von Kevin Cummins.

Falls das nun alles verdächtig nach Zwanzigstem Jahrhundert klingt: Politisch bzw. feministisch gesehen stehen Dives mit allen sechs Beinen in der Gegenwart, wobei ihre Inhalte – dem Pop-Appeal zuliebe? – weniger in Form frontaler Konfrontation denn als subtil assoziative Signale in ihre Songs einfließen, siehe etwa eine im zeitgenössische Kontext speziell evokative Textzeile wie „Stay right here / I can be your safe place“.

Seit ihrem Album „Teenage Years Are Over“ (2019) erschienen Singles wie „Streets“, „100 Times“ oder „Burger“. Letzterer Gassenhauer nimmt klassische Alltagssexismen mit reichlich Humor auf die Schaufel („Can you really eat a whole burger?“).

Ihre jüngste Single „Egos“ darf nun endlich als Vorbotin für „Wanna Take You There“, das erst im Oktober erscheinende zweite Album verstanden werden. Für ihren Seebühnen-Auftritt versprechen Dives inzwischen „viele neue Lieder live.“

Text: RR / Foto © Marie Haefner

 
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