DACID GO8LIN

Im Jahr 2019 war es den Popfest-Kuratorinnen Yasmo und Mira Lu Kovacs noch ein spezielles Anliegen gewesen, Dafina Sylejmani alias Duffy alias Dacid Go8lin einen Solo-Gig zu verschaffen, damit sie aus dem von ihr als selbstberufener „Motor“ aufgebauten, weiblichen Hip Hop-Kollektiv Femme DMC hervortreten konnte. Mittlerweile war sie mit Songs wie „Immigrant“ und „Repeat“ auf Filmsoundtracks vertreten, hat zig Singles und 3 EPs veröffentlicht. Die jüngste davon, „GG“, entstand während des ersten Lockdown als Zusammenarbeit mit ihren Kommilitoninnen Matondo, Dana, Lady Ill-Ya und vor allem GoldieWassup (1993–2020, ihr ist die EP gewidmet).
Auf ihrem von einem optimistischen Piano-Lick aufgebauten jüngsten Track „Around You“ singt Duffy „Ich will es warten durchzustarten“. Okay, es scheint doch eher ein Lovesong zu sein, aber das Publikum ist eingeladen, ihn kollektiv persönlich zu nehmen.
Dacid Go8lin macht sprichwörtlich alles, ist Producerin, politische Aktivistin, bildende Künstlerin, vor allem aber Rapperin in drei Sprachen: Englisch, Deutsch und Albanisch. Gerade weil sie sich sprachlich wie auch sonst dem Integrationsgebot widersetzt, nimmt sie uns umso überzeugender mit, selbst wenn die Wiener Crowd zwischendurch einmal kein Wort versteht.
„Ich kann nicht jede*n glücklich machen“, sagte sie neulich in einem Interview mit der Volksstimme, „aber die Verantwortung des Motors geht über mich hinaus, es geht nicht um mich. Den Opferstatus, den Frauen ebenso wie andere marginalisierte Personen und Gruppen einnehmen, müssen wir auch wieder verlassen, sonst spielen wir dasselbe Spiel immer weiter. Solange du das Privileg hast, über dich und deine Gefühle zu sprechen, bist du kein Opfer. Diese ständig negativen Gefühle machen auch etwas mit dem Rest der Welt, unser Handeln hat Effekt auf die Welt. Ich muss mir eine Antwort geben können auf die Frage: Warum erlebe ich so viel Scheiße? Meine Antwort lautet heute: Deinen Schmerz trage ich nicht. Ich habe meinen eigenen, den kann ich niemand umhängen. Die Erkenntnis lautet also: Raus aus der Opferposition/-rolle. Ich will endlich meine Macht spüren, den Effekt, die Resonanz, die ich erschaffe, die dann auch zurückkommt.“

Foto © Duffy Sylejmani