T-SER

Andere Wiener Rapper*innen feiern das Low-life, T‑Ser dagegen zeigt weniger Hang zu Bescheidenheit oder Selbstironie, er cruiset durch die mean streets von V‑Town (so auch der Titel seiner Kollabo mit Slav), scheut dabei auch nicht die Ganja-Gangsta-Pose („Ich will nicht in den Bau, doch Bullen sind am Schnüffeln wie Kommissar Rex“) und zeigt einer rauen Welt seine raue Schale: „Abgefuckte Zeiten fordern abgefuckte Maßnahmen.“
So oder so ist T‑Ser der Rapper mit den plosivsten Ps der Stadt, man prüfe zur Evidenz die Zeile „Um Gottes Willen, wir paffen, piffen, wir poppen Pillen“ aus dem aktuellen Hit „Dieter Bohlen“. Überhaupt hat T‑Ser eine Schwäche für Schwabo-Idole oder zumindest den nötigen Sarkasmus, seine Songs nach ihnen zu benennen: „Maier Maier große Fresse kleine Eier“, rappt er in „Hermann Maier“, „Yalla yalla gib ihm gib ihm.“
Wie gesagt, T‑Ser macht sich nicht klein, auch wenn er beim Prestige-Konsum seine Grenzen zieht: „Kärntner Straße, sie will shoppen gehen / Louis V, YSL, Handtaschen mit dem Doppel‑C“, aber nicht mit ihm, denn T‑Ser schwört den patriarchalischen Verhaltensmustern ab, gewissermaßen, auf seine Art: „Sie ist auf der Suche nach nem Sugar Daddy, doch mein Name ist nicht Willy Wonka.“
Es gibt aber auch ganz unbeschwerte Momente, wo er sich von seiner freundlich weltoffenen Seite zeigt. Zum Beispiel im Video zu „Nikes“, gedreht in Nigeria, wo ein Teil von T‑Sers Wurzeln liegt. An einem Ort, wo keiner ein Wort deiner Lyrics versteht, auf offener Straße ein Rap-Video zu drehen, das beweist Vertrauen in Beats und Produktion. Detto im Video zu „Beste Team“, in dem T‑Ser im Motorboot mit Producer Jerry Divmond und einer Menge weiblicher Bekanntschaften, genannt „chick links, chick rechts“ (das geht in der britischen Heimat des Programmschreibers übrigens gar nicht, die würden dir eine kleben, die chicks), die Geschichte seiner Wiener Jugend erzählt: „Zu viel gesehen / Was willst du mir erzählen / Schon die Pädagogen konnten meine Wut nicht verstehen / Mein Leben war ein Splatter zu viel blutige Szenen / Ich sagte mir ich werde Rapper statt zur Schule zu gehen / Und hier bin ich“, und das war sicher nicht leicht, denn „Als Rapper ist der struggle real und das erst recht in Wien / Haberer das hier hat nichts zu tun mit West-Berlin / Doch verschwend keinen Gedanken daran wegzuziehen / Denn ich hab das beste Team“ Gute Entscheidung!

Foto © Miguel Vera Casso