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Muss Wiener Mundart-Pop immer so penetrant lustig sein? Der Name Voodoo Jürgens ließe das befürchten, aber seine Songs sprechen dankenswerterweise eine andere Sprache.

(C) Redelsteiner

VOODOO JÜRGENS

Donnerstag, 28 Juli 18.30

Muss Wiener Mundart-Pop immer so penetrant lustig sein? Der Name Voodoo Jürgens ließe das befürchten, aber seine Songs sprechen dankenswerterweise eine andere Sprache. Hier lässt einer das latent Ungute im Wienerischen hervorkommen, selbst wenn das bedeutet, dass er dann und wann im Randy Newmanschen Sinn, durch die unkommentierte Perspektive des Bösen die Intelligenz des Publikums fordert.
Früher einmal sang er unter dem Bühnennamen Tagedieb bei der Seayou-Band Die Eternias, die als Vorband bei den Libertines in der Stadthalle vielleicht ein bisschen zu nah am Bezugspunkt dran gewesen wäre. Sein denkwürdiger Auftritt dagegen schlug eine Brücke zwischen der Indie-Welt und der des Dialektpop.
Jürgens schwebt irgendwo in der Mitte über unbegangenem Boden, wenn er etwa auf einer EP des Kim Pop Labels neue Texte wie „In da Diskothek“ über die Backing Tracks seiner alten Fettkakao-Freunde Goldsoundz sprechsingt. Zu behaupten, er käme im Fahrwasser von Nino und Wanda einhergerudert, wäre also ziemlich weit zu kurz gegriffen.
Und während die einen nolens volens bereits selbst zu Institutionen werden, kann der andere noch glaubhaft die Außenseiterrolle spielen: „Heute samma wieder stolz auf uns“, singt er etwa in „Heite grob ma Tote aus“, „Wir finden sicher noch an Grund.“ Das anerkennt die unangenehme Parallele zwischen einem rückwärtsgewandten #stolzdrauf-Österreich-Bild und der Austropop-Renaissance und bezieht gleichzeitig Stellung ohne zu belehren. Dass man den Song dann nicht mehr aus dem Kopf kriegt, schadet der Botschaft auch nicht.

 
 

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