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Wer die Tracks von Julian & Der Fux – von „Speckbrot“ bis „Hin und weg“ - über Youtube konsumiert, wird unter den assoziierten Videos am rechten Fensterrand jede Menge Links zu den üblichen, mit Standbildern gephotoshopter Frauenhintern bebilderten Dance-Mixes sehen

Julian & Der Fux (c) T Wirth

Julian & Der Fux

Donnerstag, 24 Juli 2014 00.30

Wer die Tracks von Julian & Der Fux – von „Speckbrot“ bis „Hin und weg“ – über Youtube konsumiert, wird unter den assoziierten Videos am rechten Fensterrand jede Menge Links zu den üblichen, mit Standbildern gephotoshopter Frauenhintern bebilderten Dance-Mixes sehen. Die betonte Schmierigkeit in Julian Hruzas Sprechgesang wirkt in diesem Kontext entschieden ambivalent. Wie ungebrochen diese Tracks da reinpassen und wieviel Distanz in der Ironie steckt, hängt letztens vom Blickwinkel des/der Betrachter_in ab. Dass das Video von „Speckbrot“ seinen Blick auf eben diese Betrachter_innen lenkte, darf ganz nebenher als einer der größten österreichischen Pop-Kunstgriffe der letzten Jahre gewertet werden. Ob’s so gemeint war oder nicht. Aber gehen wir einmal davon aus, dass neben dem Grundauftrag, den ganzen Raum mit ihrem Techno/House/Elektro-Pop auf im Salopp!-Club in der Brut bar weidlich ausgetestete Weise zum Tanzen zu bringen, ein dezentes Element der Störung genauso mit zum Plan gehört. Bezeichnenderweise gaben Julian & Der Fux (Dominic Plainer) diesen Frühling in einem Interview mit Stefan Niederwieser von The Gap auf die Frage „Welche Artists haben euch im Allgemeinen musikalisch geprägt“ eine alphabetische Liste ab, an deren Ende „Youtube“ stand. Der algorithmisch bestimmte Kontext des Musikkonsums ist schließlich generell ein bestimmender künstlerischer Einfluss auf den Pop unserer Zeit, in der selbst Radio-Playlists nach Facebook-„Likes“ und Youtube-Hits zusammengestellt werden.
Am Beginn derselben Liste standen wiederum, nebst offensichtlicheren Vorbildern wie Kruder & Dorfmeister, Martin „Console“ Gretschmann, Michael Jackson, Quincy Jones, Massive Attack und Jimi Tenor, die Namen David Bowie und Nick Cave. Vor allem der Einfluss des letzteren manifestiert sich in der Musik von Julian & Der Fux wohl am ehesten in seiner verunsichernden Tendenz, in seinen Texten die Perspektive des perversen alten Spechtlers anzunehmen. So wie auch Julian Hruza das tut. Von Tom Waits, der ebenfalls in besagter Liste vorkam, hat er sich eher den Hutgeschmack abgeschaut.

 
 

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