Donnerstag, 26. Juli 2018 00.00

CRUSH

Wer in den letzten Jahren Blondie gesehen hat, musste feststellen, dass Debbie Harry leider nicht mehr singen kann. Zum Glück gibt es Christina Lessiak, und nur weil der Vergleich auf der Hand liegt, ist er noch lange nicht falsch. Das zeigt sich schon nach Sekunden des Trommelfellkontakts mit einer gleichermaßen von Phil Spector, New Wave und Power Pop sprich (ja doch!) Blondie, inspirierten Nummer wie „Out of Luck“ aus ihrem von Teenage Symphonies saturierten Album „Sugarcoat“.

Dessen Titel zeigt ja schon, dass man hier keine falsche Scheu vor dem Süßlichen kennt, daher auch die fließenden Wechsel auf Moll, die flirrenden Chöre, der schillernde Schellenring auf des Drummers Hi-Hat, der immer nach noch einer letzten Runde im Autodrom fordernde Bass und der Chorus-Effekt auf den Gitarren. Nicht nur Christina Lessiak (Stimme, Gitarre), sondern auch Christian Lach (Gitarre), Katrin Borecky (Keyboard, Stimme), Verena Borecky (Bass) und Florian Kolar (Schlagzeug) vertonen hier genau die Verheißung ihres perfekt vieldeutigen Bandnamens: Crush im Sinne des Verknalltseins, Crush im Sinne der aus der Dose sprühenden, zuckrigen Limo, und Crush im Sinne des Zermalmens der Zwiderwurzen unter dem schieren Positivismus des Pop.

Zusammenfassend: Kämen Crush nicht 2018 aus Graz, sondern 1978 vom Ladbroke Grove, sie wären so groß wie die Pretenders. Sind sie auf ihre Art eh.