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Intros

Wien hat in punkto zeitgenössischer Musik in den letzten Jahren einen Riesenschritt nach vorne gemacht. Das wachsende Popfest und zahlreiche Auftritte österreichischer und Wiener Bands im Ausland sorgen zunehmend für internationale Beachtung. Wien ist ein günstiger Nährboden für innovative Popmusik. Die Stadt setzt hier vermehrt unterstützende Impulse und ist nicht nur Musikstadt im Bereich der Klassik, sondern immer mehr auch Popstadt.

Ich wünsche viel Spaß beim Popfest!

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny

 
Künstlerische Originalität bahnt sich hierzulande nahezu abseits von Marktgesetzen ihren Weg in die Welt, zumindest zu dem sich nach Überraschung und Andersartigkeit sehnenden, großen deutschen Nachbarn. Mit zwingender Poetik titelte kürzlich die Hamburger „Zeit“ über das Phänomen neuer österreichischer Popmusik: „Oasen der Unvernunft“. Was für ein schöner Titel wäre das demnach auch für dieses Popfest-Programm. Mehr zum Thema und zur Wiederkehr einer Austropop-Begrifflichkeit bei den Panels am Samstag und vor allem am Sonntag im Wien Museum.

Susanne Kirchmayr, besser bekannt als Electric Indigo, die Sound-Pionierin und female-pressure Aktivistin, und der Radiomacher Stefan Trischler, verantwortlich für die heimische Musikplattform FM4 Soundpark, haben dieses vorliegende 6. Popfest-Programm in sorgfältiger Kooperative zusammengestellt: vielen Dank und große Vorfreude! Der Anspruch eines angekündigten 50% weiblichen Programmes wurde zwar knapp nicht geschafft, allerdings ist ein qualitativer feministischer Anspruch programmimmanent und der Anteil an Musikerinnen beim Popfest dieses Jahr sogar noch größer als er letztes Jahr ohnehin schon war. Das Popfest-Maskottchen wurde heuer damit auch zu einer Art Wappentier geadelt: Unser Illustrator Marc Damm kam mit Simone de Beauvoir und Bewegungsstudien von Insekten bewaffnet zur Grafik-Präsentation und erschuf die tanzende Popfest-Anbeterin.

Am Kunstplatz Karlsplatz setzen wir heuer auf die bewährten Open Air Locations der „Seebühne“ und des Red Bull Brandwagens, indoors auf die Bühnen im Wien Museum, im brut im Künstlerhaus, in der Technischen Universität und was uns besonders freut wieder in der barocken Karlskirche, wo Christian Fennesz das Popfest musikalisch beschließen wird und wir gerade über eine soundtechnische Außenübertragung für ein Karlsplatz-Picknick nachdenken. Kleinere Neuigkeiten wie sehr spezielle Theremin-Workshops für alle Altersklassen (4+) und ein umfassendes DJ-Programm in vier Karlsplatz-Clubs seien hier auch noch erwähnt.
Wie in den Vorjahren gilt auch heuer wieder: Das Popfest bringt insgesamt an die einhundert Stunden kuratiertes Programm. Nirgendwo sonst lässt sich heimischer Qualitätspop so umfassend, so vielfältig und zugleich so konzentriert erleben.

Wesentlicher Dank geht an dieser Stelle an Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny und die Kulturabteilung der Stadt Wien für die Ermöglichung des Popfests, sowie an die Kunstsektion des Bundeskanzleramtes und die Wiener Städtische Versicherung für ihre so wichtige Unterstützung. Ganz besonders bedanken wir uns bei allen auftretenden KünstlerInnen, allen MitarbeiterInnen und den zahlreichen Partnern und Supportern.

Viel Vergnügen beim Popfest 2015!

Christoph Möderndorfer, Festivalleiter

 

Nach fünf Jahren Popfest Wien am und um den Karlsplatz sind dort schon viele Fixsterne des österreichischen Popmusik-Universums aufgetreten: Der Nino aus Wien, Luise Pop, Elektro Guzzi, Bauchklang, Gin Ga, Kreisky, Gustav, Ernst Molden, Ja, Panik oder Texta – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Statt einem hypothetischen gemeinsamen Nenner für alle Besucher_innen nachzujagen, wollten wir 2015 deshalb einen etwas spezifischeren Blickwinkel wählen. Wir haben das Engagement so interpretiert, unsere langjährige Expertise in elektronischer Musik, experimenteller Musik, HipHop und Soul im besonderen Maße einzubringen. Trotzdem gibt es für uns höchst interessante Acts in Genres, die man uns vielleicht nicht automatisch zuordnen würde. Bei der Entscheidungsfindung ging es uns in erster Linie um Werte wie Bühnenpräsenz, stimmliche Qualitäten, Stringenz, Form, Präzision – aber auch um Haltung, Credibility und soziale Diversität.

Ein roter Faden, den man im heurigen Programm finden kann, ist mit Sicherheit der Sound. Nicht zuletzt wegen unserer langjährigen Beschäftigung mit Musikproduktion sind uns eigenständige, innovative und herausstechende Klangfarben besonders wichtig. Das führte im Auswahlprozess auch dazu, dass wir z. B. “räudig”, aber für uns interessanter klingende Punkbands gegenüber “gut” und sauber produzierten Rockgruppen bevorzugten. Dass wir auf der Seebühne auch einen der originalen “Scientists Of Sound”, den legendären DubProduzenten Lee “Scratch” Perry (als Gast von Dubblestandart) begrüssen dürfen, passt da natürlich perfekt!
Das Popfest Wien sieht sich als aktuelle Bestandsaufnahme des österreichischen Musikschaffens im Popularbereich und den verschiedenen, von ihm ausgehenden Nischen. Das ist auch dieses Jahr nicht anders, wenngleich unser Fokus eher auf dem Unerwarteten liegt. Insgesamt konnten wir 57 Acts einladen, 35 davon werden zum ersten Mal beim Popfest zu sehen sein – darunter vielversprechende neue Namen wie Kimyan Law, Aiko Aiko, Leyya oder AishaE sowie längst überfällige Premieren wie die von Fennesz, UMA, Chra oder Chuzpe. Aber auch wiederkehrende Künstler_innen und Bands wie Attwenger, Clara Luzia, Kompost 3, Yasmo oder die 5/8erl in Ehren sollen dafür sorgen, dass möglichst viele Menschen vom Karlsplatz aus zu musikalischen Entdeckungsreisen aufbrechen.

Neben dem sehr vielfältigen Konzertprogramm auf der Seebühne und in den diversen Veranstaltungsorten rundherum (brut Karlsplatz, Prechtlsaal der TU, Karlskirche, Foyer des Wien Museums) wollten wir zum ersten Mal in der Popfest-Geschichte auch einen praktischen Zugang zur Vermittlung von Musikwissen und Fertigkeiten ermöglichen und können 3 Theremini-Workshops mit Dorit Chrysler für unterschiedliche Altersgruppen realisieren. Darüber hinaus war uns auch eine würdige Einbindung von DJ-Auftritten in den nahen Clubs Sass, Roxy und Heuer ein Anliegen, da wir die popkulturelle Bedeutung von DJs naturgemäß nicht unterschätzen können. Das werden z.B. Clara Moto, Joyce Muniz, Fauna, MOTSA und DJ Lazer unter Beweis stellen.

Insgesamt soll die Wiener Karlsplatz-Gegend Ende Juli für vier Tage ganz im Zeichen großer Musiker_innen aus Österreich und ihren ebenso großen Werken, Songs und Kompositionen stehen. Wir wollen das Popfest zum Anlass nehmen, den Fokus der Besucher_innen auf die höchst vitalen heimischen Musikszenen zu richten, die momentan sowohl international als auch in Österreich (endlich!) besonders viel Aufmerksamkeit und Anerkennung bekommen. Und wir wollen diese unterschiedlichen Szenen – von bislang weitgehend unbekannten elektronischen Produzent_innen bis hin zu legendären Punk-Bands, von wortgewaltigen Dialekt-Rappern bis zum rein instrumentalen Vegetable Orchestra – in ihrer großen Vielfalt darstellen. Dies aber natürlich in Form eines in sich schlüssigen Programmes, das neben den Unterschieden auch die Zusammenhänge und die Kontinuität im Schaffen österreichischer Musiker_innen hervorstreicht.

Susanne Kirchmayr, Kuratorin
Stefan Trischler, Kurator

 
 

Karlsplatz Venues

Seebühne Red Bull Brandwagen Wien Museum TU Prechtlsaal Brut Karlskirche Heuer Club Sass Club Roxy

Popfest Sessions

Talks, Workshops und Live Showcases im Wien Museum Samstag und Sonntag, ab 11.00 in Kooperation mit MICA Austria