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Ogris Debris

In dem 1945 (!) vollendeten Science-Fiction-Roman „Stern der Ungeborenen“ von Franz Werfel findet sich auf Seite 256 eine fast schon prophetisch anmutende Beschreibung einer, aus der Zukunft gesehen, vergangenen Form von Tanzmusik: „…unterstützt von hartnäckigem Teppichklopfen, eine gepresste Musik…“ Bei genauerer Betrachtung der Textstelle erschließt sich dem geneigten Leser jedenfalls: Hier kann nur von Techno oder House die Rede sein. Wie auch immer Werfel dies vor 65 Jahren vorhersehen konnte, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben, Ogris Debris haben sich das Teppichklopfen jedenfalls zu Herzen genommen. Und sie zelebrieren es zusammen mit ihrem Publikum bei jeder Gelegenheit mit Genuss und Begeisterung. Sowohl vor als auch auf der Bühne. Schließlich wusste schon Pionier Karlheinz Stockhausen daß es sich für einen echten Elektroniker gehört, zumindest einmal die Woche das Tanzbein zu schwingen. Ogris Debris verzaubern zwar gerne das Publikum, machen aber keinen Hokus Pokus sondern hauen ordentlich auf die Pauke, wenn schon denn schon. Mit Gefühl, versteht sich von selbst. Auf Platte wird der Hang zum Experiment mit Nachdruck und Innovation gehandhabt, auf der Bühne wird dann aber auch mitreissend getanzt und gesungen. Und damit Ogris Debris nicht langweilig wird darf’s auch immer ein bissl was von allem sein. Bloß nicht zu weit in die Schublade hineinkriechen, heisst die Devise. So gibt es auch thematisch Ausflüge ins Reich der Tiere („Miezekatze“), die Psyche der Partycrowd („G-Thong“), und der Körper („Salty Womb“) ist natürlich auch ein beliebtes Arbeitsfeld. Work that body! Ogris Debris sind übrigens aus Wien und sitzen auf einer Schaukel. Diese Schaukel nennen sie „Sexy Chair“. Damit pendeln sie zwischen Techno und House hin und her, in full swing, sozusagen. Eigentlich sind Daniel Kohlmeigner und Gregor Ladenhauf auch zwei schlimme Schlingel, richtige Lausbuam. Wer Ogris Debris live erlebt, erfährt am eigenen Tanzbein, dass sie das Publikum keineswegs verschaukeln wollen. Auch wenn es manchmal den Anschein haben mag. Doch hinter all dem Kasperltheater steckt ernsthafte Begeisterung für den speziellen Funk in der Musik mit der „geraden“ Bassdrum. Erfahrung in vielen Spielarten elektronischer Musik plus ein sorgfältig ausgewähltes Arsenal an Klangerzeugern ergibt maximale Euphorie auf dem Tanzboden. (Infotext: Affine)

 
 

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