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Das erste Album der beiden nach Wien verzogenen Kärntner ist eine große Entdeckung

Kartenhauskörper (c) Paul Klammer

KARTENHAUSKÖRPER

Sonntag, 27 Juli 2014 16.00

Wenn uns ihre Bandinfo sagt, dass Kartenhauskörper 2014 gegründet wurden und schon am 20. Jänner desselben Jahres ihr erstes Album mit Titel „Wie konnten die Tage nur so sehr an Wert verlieren?“ veröffentlichten, dann bedeutet wohl, a) dass die erste Intention und das fertige Produkt im Zeitalter von Bandcamp/Soundcloud eigentlich weit näher aneinander liegen könnten, ja sollten, als das im heutigen Musikgeschäft üblicherweise der Fall ist, und b) dass trotz des beklagten Wertverfalls der Tage an sich die spezifischen ersten 20 des heurigen Jahres im Leben von David Sommeregger und Gregor E. Sauer (beide Gitarre, einer Stimme) dann doch ziemlich lohnend gewesen sein müssen. Das erste Album der beiden nach Wien verzogenen Kärntner ist eine große Entdeckung, noch dazu, wo die Suchmaschine des geheimdienstlichen Vertrauens zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Programmtexts fast gar nichts über diese Band auszuspucken weiß. Lange werden die nicht so unsichtbar bleiben können. Mit Titeln wie „Rumliegen“, „Müdigkeit“, „Freikopf“ (auch hier kommt die Müdigkeit wieder zur Sprache) oder „Auf einem Bein stehen sehr angenehm“, reihen sich Song um Song voller existenzieller Dinge ohne Belang aneinander, begleitet vom „Gesangschor der Junggebliebenen“ („Mein Name ist Dave“), dem Kontrabass von Mathias Bucher und Günther Lenart am Saxophon („Du hast gesagt es ist Wahnsinn“). Soviel dazu, was sonst noch aus dem Bandinfo hervorgeht, obwohl jenes noch lange nicht erklärt, wer da Klavier und Schlagwerk und sonstige Blasinstrumente spielt, bzw. Kartenhauskörper genau die Sorte Band zu sein scheinen, die einen Programm-Schreiber genüsslich ins Bockshorn jagt. „Wo spielen die Kinder, wenn der Garten nicht mehr da ist?“, fragt Gregor Esra Sauer in einem seiner Lieder, und das offizielle Bandfoto zeigt ihn (?) in aller Öffentlichkeit auf der Straße von hinten im Spitalsnachthemd, den Rücken und Hintern freigelegt, ein Krankenhauskörper eben, beraubt aller Würde und allen Eros, wie er hilflos über die eigene Schulter schaut. „Können wir bitte damit aufhören einander zu zeigen, dass wir gute Menschen sind?“ singt er in „Schlau Beide“, und „Dir soll’s auch schlecht gehen, wenn’s mir schlecht geht“ im Bonustrack „HilfeHilfe“. Endlos könnte man da – vielleicht bei einer billigen, aber brauchbaren Flasche Wein – Dinge zum Gutfinden finden. Schade, dass der Programmschreiber schon wieder weiterziehen muss.

 
 

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