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Wenn einem in der als Rezension verkleideten Liebeserklärung eines Fans (Dominik Oswald, The Gap) sanft vorgeworfen wird, dass man in der letzten Zeit ein bisschen zu viele Radiohits gehabt habe, dann hat man es offenbar geschafft

Der Nino Aus Wien (c) Michael Breyer

Der Nino aus Wien

Samstag, 26 Juli 2014 01.00

Wenn einem in der als Rezension verkleideten Liebeserklärung eines Fans (Dominik Oswald, The Gap) sanft vorgeworfen wird, dass man in der letzten Zeit ein bisschen zu viele Radiohits gehabt habe, dann hat man es offenbar geschafft. Mit seinem jeweils besten Album des Jahres hat er bisher noch jede_n KuratorIn in die Knie gezwungen: Der Nino aus Wien ist nicht nur als Fixum des Popfest in dieser Stadt auf die beste denkbare Weise so unvermeidlich geworden wie der Senf zur Wurst, wenn man eine blöde Essensmetapher verwenden will. Jetzt, wo man den Nino auch zunehmend in Deutschland zu verstehen versucht, haben er und sein Label Problembär Records uns mit den beiden Alben „Träume“ und „Bäume“ die Möglichkeit gegeben, uns für süß oder scharf, Semmel oder Brot, die launige oder die grüblerisch poetische Seite im Werk dieses Mittzwanzigers zu entscheiden, der „innerhalb kürzester Zeit so viele Leben neu definiert“ und „so viele seiner Zeilen in ebenso viele Gedächtnisse zementiert“ hat (Oswald). Das auf die beste denkbare Weise unvermeidliche Resultat? Beide Alben stiegen gleichzeitig in die Top 40 ein.
Der Programmschreiber gibt unumwunden zu, dass er selbst – so sehr er die schöne Version von Pico „Das Weiße Pferd“ Be’s „Abtauen Girl“ (wieder mit Skero), „Diese Person ist cool“ und vor allem „Die allerbeste Sängerin“ schätzt – eindeutig bei der lyrischen „Bäume“-Fraktion zuhause ist. Genau wie Ernst Molden, der schreibt: „Es ist meine Lieblingsplatte vom Nino aus Wien, die liebste von allen sechsen bisher. Auch, aber nicht nur, weil es meine Herzenssorte von Musik ist. Auch wegen den Geschichten. Den Gedankenflüssen, in die man ferngesteuert hineinwatet, um sich dann wegtragen zu lassen, in verschiedene Meere von verschiedenen Farben. […] Diese zehn Songs lassen den Hörer näher an ihren Sänger heran, als das beim Nino bisher jemals der Fall war.“ Das stimmt. Es ist eine Nähe, die sich ganz unumwunden ausspricht, wenn Nino einem in „Davids Schlafplatz“ ins Ohr singt: „Das hab ich für dich erfunden.“ Das mit dem Definieren und dem Zementieren ist ihm also völlig bewusst. Aber dieser vielleicht freigiebigste Mensch von Wien lässt sich davon in seinem Erfinden nie hemmen oder einschüchtern, und allein dieser Umstand wird von Jahr zu Jahr, von Song zu Song immer erstaunlicher.

 
 

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