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Das 'Spielen mit' und 'Nichterfüllen von' gewissen Erwartungshaltungen beispielsweise würde ich als immer schon zentral und charakteristisch für Radian bezeichnen

Radian (c) Unknown

Radian

Freitag, 25 Juli 2014 00.00

Eine Beobachtung drängt sich auf: Mit Radian, Bulbul und Elektro Guzzi erzeugen drei der unkonventionellsten Bands dieses Popfest-Programms ihren Sound in derselben konventionellst-möglichen Besetzung (Schlagzeug, Gitarre und Bass). Zu welch eklatant unterschiedlichen Ergebnissen sie dabei kommen, lässt sich bequemerweise am selben Abend im selben Club beobachten. Wobei die Gewichtung von den anfangs dominanten Synths und der elektronischen Manipulation hin zur Gitarre im Falle Radians nicht bloß als ein Resultat des 2011 erfolgten Wechsels von Stefan Nemeth zum grundsätzlich gitarristischeren Martin Siewert zu sehen ist. Eine solche klangästhetische Verschiebung kündigte sich schon im Line-Up Brandlmayr/Norman/Nemeth 2009 mit ihrem bislang letzten Album „chimeric“ an. Wie Siewert selbst richtig sagt, steht hinter Radians gesamter Entwicklung eine „große Kontinuität hinsichtlich der formalen und strukturellen Ebene. Das ‚Spielen mit‘ und ‚Nichterfüllen von‘ gewissen Erwartungshaltungen beispielsweise würde ich als immer schon zentral und charakteristisch für Radian bezeichnen.“ Wenn die Askese ihres Sounds im ersten Jahrzehnt von Radians Bestehen zum verlässlichen Markenzeichen zu werden drohte, dann ist die von Andreas Felber schon 2012 in einer Live-Rezension für den Standard beschriebene „lustvolle noiserockige Vehemenz“ ihres neuen Line-Ups dementsprechend als zum Prinzips des Bruchs mit dem Vorhergesehenen gehörig zu verstehen.Wie weit Radian in diese Richtung gehen, wird sich nicht nur auf dem Popfest, sondern diesen Herbst auch auf Tonträger weisen, wenn „Howe Gelb Verses Radian“, ihre Kollaboration mit dem großen Song-Improvisator von Giant Sand, erscheint. Ein Treffen in der Mitte wäre jedenfalls für beide Beteiligten ein radikaler Schritt, und 2015 folgt darauf dann vielleicht sogar ein Bruch des Radian-Kontinuums in Form der Rückkehr aus Gelbs dekonstruierter Song-Welt in die Abstraktion – paradoxerweise natürlich wieder eine Fortführung des Kontinuums weil seinerseits auch wieder eine Form von Bruch. Schlau.

 
 

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